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Interview mit Kai Bolte, Lehrbeauftragter Sektion Schere im HKBV
Schriftführer der Sektion Schere, Gotthard Fürstenfelder, heute im Gespräch mit dem Lehrbeauftragten der Sektion Schere im HKBV Kai Bolte.
Frage:
Herr Bolte, die „Landesmeisterschaften“, die „Sektionsversammlung“ und auch die „Verbandsversammlung“ sind vorüber, Sie waren immer dabei. Kann man daran die Freude und die Begeisterung, die Sie am Kegelsport haben, erkennen?
Antwort:
Ja, das ist so. Seit meinem 11. Lebensjahr betreibe ich das Sportkegeln, das sind nun auch schon rund 25 Jahre. Das Rollen der Kugel und der Fall der Kegel übten bereits in meiner Kindheit eine gewisse Faszination auf mich aus, die sich bis heute erhalten hat. Anders ist es wohl auch nicht zu erklären, dass man seinem Sport so lange die Treue hält und sich immer wieder neue sportliche Ziele setzt. Dazu kommt die jahrelange Vorstandsarbeit im Club/Verein und mittlerweile auch als Lehrbeauftragter auf Sektions- und Verbandsebene. Wenn man als Spieler, Jugend-, Club- und Auswahltrainer und als so genannter „Funktionär“ über Jahrzehnte mehrere Tage die Woche auf den verschiedensten Ebenen für das Kegeln unterwegs ist, dann muss man schon ein bisschen „kegelverrückt“ sein. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten einbringen muss, damit „der Laden läuft“.
Frage:
Können Sie als Lehrbeauftragter, der ja mit den Sportlern aller Altersklassen arbeitet, erklären, auf was der Mitgliederrückgang zurückzuführen ist.
Antwort:
Der Mitgliederrückgang ist kein kegelspezifisches Phänomen sondern eine Erscheinung, die alle Bereiche unserer Gesellschaft betrifft. Die Altersentwicklung führt zwangsläufig dazu, dass es weniger neue Mitglieder auch beim Sportkegeln gibt. Deswegen wünschte ich mir ein wenig mehr Gelassenheit bei diesem Thema. Kegeln ist allerdings auch eine mit Vorurteilen belastete, relativ einseitige Sportart und wird im größten Teil der Bevölkerung als solche nach wie vor nicht richtig wahrgenommen. Selbstverständlich muss man auch kritisch betrachten, ob im Sportbetrieb oder auf Verbandsebene noch alles zeitgemäß ist oder ob z.B. strukturelle Änderungen nötig sind. Es ist jedoch nicht hilfreich, wenn man vorschnelle Veränderungen durchführt, die lediglich den Spitzensport (DM, Bundesliga) im Auge haben, und - was die breite Masse betrifft - nicht zu Ende gedacht sind. Meiner Meinung nach geschieht dies momentan in manchen Bereichen auf DSKB-Ebene.
Frage:
Welche Möglichkeiten sehen Sie, diese Entwicklung zu stoppen und ins Positive umzukehren?
Antwort:
Ich glaube, dass man vor allen Dingen zwei Punkte beachten muss: Erstens muss der Stamm der Kegler, der seinen Sport schon sehr lang ausübt, weiterhin Spaß daran haben - insbesondere, weil diese Klientel immer älter wird. Andererseits muss man aber auch bereit sein, evtl. neue Wege zu gehen, wenn man die Jugend gewinnen will, die mit Fun-, Trend- und attraktiven Natursportarten ja regelrecht überschwemmt wird. D.h., bei allen Vorschlägen neue Spielsysteme einzuführen, darf nicht missachtet werden, dass die meisten Kegler im Wettkampf am liebsten „ihren Durchgang“ spielen und danach noch in gemütlicher Runde zusammensitzen wollen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch nicht in neuen, mehr oder weniger komplizierten Spielsystemen, sondern in einer qualitativ hochwertigen kegelsportlichen Ausbildung, besonders natürlich im Jugendbereich, aber nicht nur da. Es gibt im Scherebereich immer noch viel zu wenig qualifizierte Trainer. Dies hat zur Folge, dass z.B. Jugendliche nach anfänglichen, relativ schnell erreichten Erfolgen auf der Stelle treten und sich eine andere, neue Sportart suchen, weil der Betreuer bzw. Jugendwart nichts mehr Entscheidendes vermitteln kann. Sie merken, hier spricht der Lehrbeauftragte der Sektion, der selbst über zehn Jahre lang Jugendtrainer war.
Frage:
Wie hoch ist die Beteiligung der verschiedenen Altersgruppen an den Lehrgängen, die Sie durchführen?
Antwort:
Der Übungsleiterassistenten-Lehrgang wird in der Regel recht gut angenommen. Es sind oft sehr junge Sportler, die mehr über ihren Sport erfahren möchten, weil im eigenen Verein kein Trainer vorhanden ist. Besonders erfreulich ist es aber auch, wenn Kegler, die schon 30 und mehr Jahre dabei sind und im „fortgeschrittenen Alter“ etwas mehr Zeit haben, ebenfalls mit großer Begeisterung und Neugier diesen Grundlehrgang besuchen, um noch etwas dazu zu lernen. Das „Mittelalter“ ist eher dünn vertreten, dies liegt aber auch daran, dass viele Spieler während ihrer aktiven und erfolgreichen Sportlerlaufbahn nicht auch noch Zeit für eine Trainerausbildung opfern wollen oder können. Leider lässt die Bereitschaft, die erste Lizenzstufe - den C-Trainer - zu machen sehr zu wünschen übrig, obwohl es finanziell lukrativ ist.
Frage:
Haben Sie Erfahrungswerte darüber, ob die Notwendigkeit der vielfältigen Ausbildungen, die Sie anbieten, von den Sportlern wahrgenommen und deren Sinn verstanden wird?
Antwort:
Natürlich. Gerade die U-23-Lehrgänge öffnen den jungen Sportlern Horizonte, die sie im Verein so nicht erreichen. Beweis dafür ist die Tatsache, dass in den letzten beiden Jahren sechs Mitglieder des D-Kaders unsere Lehrgänge an der Sportschule des lsbH in Frankfurt besucht haben. Die Rückmeldungen der Teilnehmer zur Qualität unserer Trainerausbildung sind stets hervorragend. Leider hat sich dies noch nicht weit genug herum gesprochen.
Frage:
Halten Sie die vom Verband zugeteilten Finanzmitteln für gerecht, wenn nicht, welchen Vorschlag an den Verband haben Sie?
Antwort:
Für viele Bereiche ist es sinnvoll und gerecht, die Mittel des Verbandes prozentual nach Anzahl der Mitglieder an die Sektionen zu verteilen. Bei den Auswahlmannschaften, beispielsweise die U23-D-Kader, die sektionsübergreifend gleiche Stärke haben und im Prinzip auch dieselben Kosten verursachen, liegt aber eine klare Benachteiligung der Sektionen Bowling und Schere vor. Auf meine Anregung am Verbandstag in Maintal hat der Verbandsvorstand sehr konstruktiv reagiert. In Kürze wird mein Vorschlag, gerade diesen Bereich verursacherbezogen abzurechnen im Verbandsvorstand diskutiert werden.
Frage:
Welche besonderen Maßnahmen streben Sie an, um gerade den Bereich „Jugend“ stärker für den Kegelsport zu begeistern?
Antwort:
Als Sportlehrer mache ich täglich die Erfahrung, dass man junge Menschen am besten begeistert, wenn man selbst von einer Sache überzeugt ist UND Fachkompetenz vermitteln kann. Wie ich bereits sagte, das Problem liegt in der nicht vorhandenen Ausbildung der Jugendbetreuer in den Vereinen. Ich würde lieber mit 15 Scherekeglern den C-Trainer-Lehrgang in Frankfurt durchführen als nur mit einer Person. Deshalb mein Appell an unsere Vereine: Schickt eure Jugendwarte und andere interessierte Kegler zu unseren Lehrgängen! Die Begeisterung und Neugier erlischt bei Jugendlichen nicht, solange man - egal auf welchem Niveau - immer wieder neue Dinge vermittelt bekommt und erlernen kann. Trainer werden dafür speziell ausgebildet.
Frage:
Der neu gewählte Verbandspräsident ist von Beruf Rechtsanwalt. Ist nach Ihrer Ansicht nun damit zu rechnen, dass dessen vordringliche Arbeit im Verwaltungsbereich liegt oder er -wie es unter Lilo Löser-Dechert war- sich dafür einsetzen wird, die Arbeit vor Ort von vermeidbaren Verwaltungsdingen zu verschonen?
Antwort:
Ein Sportverband wie der HKBV hat naturgemäß einen hohen Verwaltungsaufwand, damit er funktioniert. Ich sehe es deswegen nicht als Nachteil an, wenn der Präsident sich auf diesem Gebiet gut auskennt. Wie die Arbeit „vor Ort“ am besten zu machen ist, kann ich nicht beurteilen.
Frage:
Welche Unterstützung als Lehrbeauftragter und Trainer erwarten Sie vom Verband?
Antwort:
Für den Bereich der Trainerausbildung wünsche ich mir generell mehr finanziellen Spielraum für das Lehrteam, um die Ausbildung noch attraktiver gestalten zu können, z.B. bei Bestellung von überfachlichen Referenten. Wenn man die enormen – meiner Meinung nach in dieser Höhe nicht erforderlichen - Rücklagen des Verbandes sieht, sollte dies möglich sein. Der Verband könnte z.B. durch größere Teilfinanzierung der Lehrgänge die Hemmschwelle verringern und dadurch die Attraktivität steigern, eine solche Ausbildung zu machen. Bisher gibt es immerhin in den Sektionen ein kleines Budget für Bezuschussung. Das Geld ist da! Wenn wir wirklich etwas für den Erhalt unserer Sportart tun wollen, dann muss auch der Verband dafür sorgen, dass mehr Trainer ausgebildet werden, die dann an der Basis tätig werden. Kegler brauchen einen größeren Anreiz, Trainer zu werden, z.B. im Jugendkader auf Bezirksebene. Mit entsprechender Qualifikation wird man ja auch entsprechend gut bezahlt. Dann werden die Talente entsprechend gefördert und bleiben bei der Stange. Aber nur wenn in den Vereinen ebenfalls die Notwendigkeit erkannt wird, in dieser Hinsicht an einem Strang zu ziehen, kann nachhaltig etwas bewirkt werden.
Herr Bolte, ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen für Ihre weitere, zur Zukunftssicherung des Kegelsports wichtige Arbeit in der Sektion Schere/Bohle viel Erfolg.