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Gotthard Fürstenfelder von der Sektion Schere heute im Gespräch mit Edmund Schad.
Frage:
Herr Schad, die KSG Blau Gelb 99 Neuhof wurde im Jahr 1999 gegründet. Es interessiert uns natürlich, welche Gründe zu dem Zusammenschluss geführt haben und welche Clubs zu dieser Spielgemeinschaft gehören?
Antwort:
Die Clubs Königsblau Rommerz und Windstärke 9 Neuhof gehören beide zur Kegelabteilung des PSV Blau Gelb Fulda e.V. Beide Clubs spielten seit Jahren in der Regionalliga, aber kein Club hatte die Spielstärke zum Aufstieg in die Hessenliga. In beiden Clubs waren in der Zwischenzeit die Aktiven als Führungsspieler aufgerückt, die vorher über Jahre in den Jugendmannschaften des PSV Blau Gelb Fulda gemeinsam am Start waren und auch bei Bezirks-, Landes- oder Deutschen Meisterschaften den Verein gemeinsam vertraten.
Uns war klar, dass ein Aufstieg in die Hessenliga nur mit vereinten Kräften möglich war. So wurde 1999 in beiden Mitgliederversammlungen über den Zusammenschluss zu einer Spielgemeinschaft abgestimmt, wobei es neben einigen unentschiedenen Mitgliedern nur eine Gegenstimme gab. Dies war der Startschuss zur KSG Blau-Gelb 1999 Neuhof. Frank Vogel kehrte nach zwei Jahren bei Caro 9 Kassel in heimatliche Gefilde zurück, er und Jochen Schad übernahmen das Amt der Sportwarte. Mit 7 Herren- und einer Damenmannschaft gingen wir in die erste gemeinsame Spielserie.
Frage:
Können Sie nach nun 10-Jahren Erfahrung sagen, ob sich dieser Zusammenschluss gelohnt hat und welche Siege Sie inzwischen erringen konnten?
Antwort:
Hier ist die Antwort zu 100% ja, wenngleich der Durchbruch nicht sofort gelang. Immerhin gingen 3 Jahre ins Land, bis in einem Heimspielkrimi gegen GH Rommerz der Aufstieg in die Hessenliga geschafft war. Mit Harald Reimer konnten wir für die 2.Liga einen erfahrenen Bundesligaspieler gewinnen, die Kontakte von Frank Vogel aus seiner Kasseler Zeit machten es möglich. Am 06.09.2004 stand gegen den TSV Salzgitter der erste Bundesligaspieltag auf der Heimbahn in Dorfborn auf dem Programm, er endete mit einem 2:1 Sieg. Jens Vogel erzielte gleich im 1. Spiel mit 900 Holz ein Traumergebnis. Völlig überraschend stand die Mannschaft am Ende der Spielrunde auf dem 1. Platz und ging mit 4 Punkten in die Aufstiegsspiele. Bei den „Play-Offs“ zeigte die Mannschaft zunächst Nerven, mit einer Portion Glück gelang am Ende das „Wunder von Neuhof“ – der Aufstieg in die 1. Bundesliga.
Ein Wermutstropfen gleich zu Beginn war das Ende der Kegelkarriere von Harald Reimer aus gesundheitlichen Gründen, dafür kam Dieter Möller von GH Rommerz zu uns. Am ersten Spieltag in der 1.Liga hatten wir im Hessenderby gleich WS 10 Kassel zu Gast und wieder war zu Beginn ein Punkt weg, obwohl Dieter Möller mit 916 Holz einen tollen Einstand hatte. Gegen Oberthal und Herford gingen die Heimspiele verloren. In Lebach und Wiebelskirchen gab es zwar jeweils einen Punkt, besonders stolz war das Team über den Heimsieg über den KSC Kerpen. Mit nur 1 Punkt ging man als Letzter in die Abstiegsrunde, in der man auf Dieter Möller aus Verletzungsgründen verzichten musste. Der Klassenerhalt wurde gleich im ersten Spiel in Lebach verspielt, wo man nach vier Startern noch führte, am Ende aber nur als Dritter ins Ziel kam. In Wiebelskirchen war am nächsten Tag die Luft raus, nur 1 Punkt. Da nutzte auch der Heimsieg und der 2. Platz in Paffrath nichts mehr – die 2.Liga-Nord hatte uns wieder.
Zu Beginn der Saison 2005/2006 wechselte Karsten Otto von GH Rommerz zu uns, er hatte bereits als Jugendlicher bei Königsblau gespielt, dafür stand Jochen Schad über lange Zeit wegen seines Hausbaus und anschließender Verletzung nicht zur Verfügung. Durch Auswärtssiege in Heringen und Münster und einigen Zusatzpunkten stand man nach 18 Spieltagen vor Gelsenkirchen auf Platz 1. Gegen Gelsenkirchen gelang im Heimspiel der heute noch gültige Bahnrekord von 5.344 Holz. In der Aufstiegsrunde musste man dann aber dem überragenden Team der Play-Offs, dem ESV Siegen, den Vortritt lassen.
In die Saison 2006/2007 konnte man in der 2.Liga-Nord mit einem Auswärtssieg in Nordhorn starten, danach setzte es aber eine Heimniederlage gegen Heringen. Mit Rang 5 und ausgeglichenem Punktekonto war die Mannschaft am Ende mehr als zufrieden.
Hinter Gelsenkirchen und Salzgitter wurde in der Spielzeit 2007/2008 Rang 3 belegt, es gab keine Meister- und Abstiegsspiele, mit Boris Vogel fehlte wegen beruflicher Weiterbildung ein Stammspieler für zwei Spielzeiten. Angriff war die Devise für die abgelaufene Saison, der Sieg in Heringen am 3.Spieltag beflügelte die Mannschaft. Es entwickelte sich ein Dreikampf um den Titel zwischen Aufsteiger Holten, Herford II und der KSG. Weitere Auswärtssiege in Kassel und Osnabrück gelangen. Plötzlich gesellte sich mit Nordhorn ein weiterer Titelaspirant hinzu. Herford II hatte zum Ende einen Lauf und gewann in Salzgitter und Nordhorn, kann als Meister aber nicht aufsteigen, weil die eigene „Erste“ bereits in der 1.Bundesliga spielt. Nach dem Patzer von Holten in Osnabrück war am Ende der Weg als Tabellenzweiter frei für die KSG 99. Wir nehmen die Herausforderung an und werden uns in der neuen Spielserie so teuer wie möglich verkaufen.
Frage:
Gibt es auch Nachteile die Sie gerne ausräumen möchten?
Antwort:
Es gibt bei uns in der Tat einen Nachteil – aber den möchte ich nicht ausräumen. Wir kommen aus zwei Clubs und spielen weiterhin auf zwei Bahnanlagen, beim Froschwirt in Dorfborn (KSG1, 2,5) und im Landgasthof Imhof in Rommerz (KSG3,4,6,7). Für die Spieler, die zwischen der 2. und 3. Mannschaft pendeln und auch für andere, kann es manchmal ein Mehraufwand beim Training sein. Es ist auch kein Geheimnis, dass über den Zustand der Bahnen in Rommerz oftmals auch die Gäste murren. Wir hoffen in jedem Jahr, dass es besser wird. In diesem Jahr hat der Bahnwart schon einiges getan, was bessere Ergebnisse verspricht – wir hoffen weiter. Die „Königsblauen“ haben seit Ende der 60er Jahre in Rommerz konstant ihren Freitag als Trainingsabend, den sie nicht missen wollen. „Take notes after train" (Scheinewerfen bis eine Kiste bezahlt ist) ist am Freitag ein fester und schöner Bestandteil nach dem Training, der die Kameradschaft fördert und zu dem auch die WS9-Aktiven gerne kommen.
Frage:
Konnten Sie mit der Spiel-Gemeinschaft eine Leistungssteigerung erzielen und wenn ja, welche?
Antwort:
Natürlich, ich habe die Erfolge der 1. Mannschaft schon aufgereiht. Aber auch die übrigen Mannschaften behaupten sich gut, weil ein stetiger Wettstreit um den Einsatz in einer höheren Mannschaft herrscht. Das andauernde „sich beweisen“ ist auch Ansporn für die A-Jugendlichen, die teils mit den Bundesligaspielern trainieren dürfen. Auch der Aufstieg in die Hessenliga der 2. Mannschaft ist darauf zurückzuführen. Für den Abstieg im letzten Jahr war viel Verletzungspech die eigentliche Ursache, die Mannschaft will den Wiederaufstieg.
Frage:
Werden Sie zum Jubiläum besondere Aktivitäten durchführen?
Antwort:
Wir halten kein großes Fest ab, im Sommer haben wir hier in der Großgemeinde genügend zu feiern, viele unserer Aktiven sind zudem noch in anderen Vereinen (Feuerwehr, Blasorchester, Fußball u. a.) eingebunden.
Das letzte August-Wochenende nutzen wir, den Kegelsport in der Großgemeinde Neuhof zu präsentieren. Am Samstag gibt es in Dorfborn einen freundschaftlichen Vergleichskampf zwischen der KSG99, SKG Sontra, KSV Wetzlar und einer Bezirksauswahl um Joachim Fuß.
Für Sonntag haben wir das 1. Hess. Sprintturnier ausgeschrieben, das in Rommerz stattfindet. Dazu gibt es auf dem Gelände des Landgasthof Imhof ein Hoffest, zu dem alle Mitbürger und Kegelfans herzlich eingeladen sind. Allerdings hatten wir uns zum Sprintturnier eine größere Teilnahme erhofft, eine Woche vor Beginn der Wett-kämpfe hätte es sich für viele Kegler als Leistungstest angeboten.
Am Dienstag, 2.9.09, richten wir dann noch in Rommerz die Gemeindemeisterschaft im Kegeln aus, an denen die Clubs GH Rommerz, Königsblau Rommerz und WS 9 Neuhof teilnehmen.
Frage:
Gerade die Jugendarbeit ist für den Kegelsport von höchster Bedeutung, was tun Sie um diese auch weiterhin zu fördern?
Antwort:
Wir betreiben bei Königsblau Rommerz seit fast 30 Jahren Jugendarbeit und können auf schöne Erfolge zurück blicken. Nachdem es einen Durchhänger gab, haben wir uns im vergangenen Jahr in der KSG zusammengesetzt und die Jugendarbeit neu aufgestellt. Ein Jugendteam von 4 - 5 Personen kümmert sich altersgerecht um den Nachwuchs, bei Bedarf stehen noch weitere Aktive und Passive zur Betreuung bereit. Die C- und B-Jugendlichen trainieren unter Sabine Happ und Oliver Schad während des Jahres ausschließlich in Rommerz, für die A-Jugendlichen haben wir einen Fahrdienst organisiert, sie trainieren mit Jens Vogel, Christoph Goldbach und Manfred Kullmann sowohl in Dorfborn als auch in Rommerz. Wir versuchen seit Jahren, um die Kinder unserer Aktiven weitere Klassenkameraden aus den Schulen für den Kegelsport zu gewinnen, damit sind wir bisher gut gefahren. Ein Modell wie in Sontra können wir nicht anbieten, weil wir im Ortsteil nur eine Grundschule haben und die weiterführende Schule in Neuhof zu weit von den Kegelanlagen entfernt ist. Die Wege sind einfach zu lang, um in 2 Sportstunden richtig aktiv zu werden.
Neben Kegeln werden auch Freizeitaktivitäten für die Jugendlichen angeboten, auch an unserem traditionellen Weihnachtsmarkt in Rommerz hat die Jugend ihren festen Stand und verkauft ihre selbst gebastelten Sachen zu Gunsten der Jugendkasse.
Frage:
Welche Tipps und Anregungen können Sie aus Ihrer Sicht den Vereinen geben um Jugendliche nicht nur zu werben, sondern diese auch für den Kegelsport langfristig zu begeistern?
Antwort:
Zunächst kann man nicht darauf warten, dass Jugendliche vielleicht aufgrund einer Anzeige zum Schnuppern kommen. Vorbilder schaffen Neugier, deshalb sind unsere Spitzenspieler auch oft beim Jugendtraining anwesend. Man muss die Jugendlichen zu den Wettkämpfen mitnehmen, um ihnen Kegelsport näher zu bringen. Kegeln ist ein mühsamer, lang andauernder Lernprozess, deshalb müssen die Jugendlichen bei Wettkämpfen sehen, wie weit sie es bringen können. Und man sollte die Eltern mit ins Boot nehmen und damit ein größeres „Wir-Gefühl“ schaffen. Kinder wollen schnell etwas lernen und zum Erfolg bringen, deshalb muss man ihnen die nötige Trainingszeit frei halten und sie auch individuell fördern, wenn das Talent erkannt wird.
Frage:
Welche sportlichen Ziele strebt die KSG Blau Gelb 99 Neuhof an, um den bisherigen Erfolg zu sichern und auszubauen?
Antwort:
Die sportlichen Ziele für die neue Spielserie sind klar definiert: Klassenerhalt der KSG 1 in der 1.Bundesliga, Wiederaufstieg der KSG 2 in die Hessenliga. Die übrigen Mannschaften wollen in ihren Klassen im oberen Tabellenbereich mitspielen. Wir wollen darauf achten, dass die Spieler ihre Lockerheit behalten und mit Spaß bei der Sache sind, Teamgeist und Zusammenhalt war schon immer unser Plus und wird es auch in Zukunft sein. Und wir wollen mit eigenen Spielern und vielleicht Zugängen aus der Region, die in unser Konzept passen, unseren Erfolg sichern. Geld kann man bei uns nicht verdienen.
Im Jugendbereich wollen wir wieder an den Jugendrunden teilnehmen, damit auch die B-Jugendlichen ein Ziel haben und Wettkampferfahrung schnuppern.
Frage:
Wie Sie sicher wissen, stelle ich am Ende eines Interviews immer die persönliche Frage, welche besonderen Stärken Sie selbst in Ihrer Person und Ihrer Arbeitsweise sehen und wo nach Ihrer Ansicht Ihre etwas schwächere Seite liegt?
Antwort:
Ich denke, dass ich gut organisieren kann, aus über 30 Jahren einigen Sachverstand beim Kegeln habe, mich in den Ordnungen der Verbände auskenne und auf dem neuesten Stand halte und auch aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit Verbindungen habe – das sollte nach über 30 Jahren Vorstandsarbeit aber auch so sein. Meine Schwächen müssen andere beurteilen, ich bin manchmal etwas ungeduldig und würde gerne besser kegeln.
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Herr Schad, ich bedanke mich für das Interview und wünsche der KSG Blau Gelb 99 Neuhof zu dem 10-jährigen Jubiläum alles Gute.