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Interview mit dem "Deutschen Meister" im Mixed, Alexander Lehnhausen




Alexander Lehnhausen

Gotthard Fürstenfelder, heute im Gespräch mit Alexander Lehnhausen, der in Hessen zu den absoluten Leistungsträgern bei den Scherekeglern zählt. 

 

Wollte man alle seine Erfolge aufführen, so würde der Platz nicht ausreichen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er in der Beliebtheitsskala mit an oberster Stelle steht. 

 

Frage:

Alex,  es interessiert uns natürlich  sehr, wann, wo und wie Sie zum Kegelsport kamen? 

 

Antwort:

Ich kam durch meinen Vater zum Kegelsport. Er war 1976 Gründungsmitglied des KSV Wetzlar und war auch mein erster Jugendtrainer nachdem 1978 die Jugendabteilung im KSV Wetzlar gegründet wurde. Meine ersten Kegelschritte habe ich aber schon vor 1978 gemacht. 

 

Frage:

Können Sie uns aufzählen, was für Sie die wichtigsten, aber auch die schönsten Erfolge im Kegelsport waren?

 

Antwort: 

Für mich sind und waren alle Erfolge wichtig, auch für meine sportliche Weiterentwicklung, deshalb möchte ich da keinen hervorheben. Ich verbinde Erfolge aber nicht nur mit dem Medaillengewinn bei Meisterschaften, denn jeder sollte auch kleine Erfolge z.B. im Training zu schätzen wissen. 

 

Mein schönster Erfolg war sicherlich der Gewinn der Deutschen Meisterschaft bei der DM 2006 in Kassel mit der KSG Mittelhessen, weil der Gewinn vollkommen unerwartet kam. So ziemlich alle hatten nur Kassel, Nordsaar und Kerpen auf der Rechnung aber am Ende waren wir der verdiente Sieger. 

 

Frage: 

Der starke Mitgliederschwund bereitet uns allen große Sorgen, welche Möglichkeiten sehen Sie, diese Entwicklung zu stoppen und ins Positive umzukehren? 

 

Antwort: 

Das ist schon eine bedenkliche Entwicklung, aber nicht nur der Kegelsport ist davon betroffen. Deshalb denke ich ist es mitunter ein gesellschaftliches Problem, weil viele Menschen heutzutage mit Existenzängsten zu kämpfen haben und sich den Sport den sie ausüben einfach nicht mehr finanziell leisten können. 

 

Es gibt sicherlich weitere Gründe für den Mitgliederschwund, ich persönlich sehe keine Möglichkeit die Entwicklung zu stoppen. Es wird sich sicherlich von alleine regeln wenn die Zeit dafür gekommen ist. Vielleicht muss man auch akzeptieren dass die sogenannten „fetten Jahre“ erst mal vorbei sind. 

 

Frage: 

Besonders schmerzlich ist natürlich der Rückgang bei den Jugendlichen, sowohl bei weiblich U23 wie auch männlich U23. Es gibt inzwischen leider Vereine, die nicht mehr in der Lage sind eine Jugendmannschaft zu stellen. Auf diesem Gebiet sind wir alle aufgefordert möglichst kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Was können Sie empfehlen? 

 

Antwort: 

Auch hierfür gibt es Gründe. Jugendarbeit ist sehr zeit- und kostenintensiv. Vielen Vereinen fehlt es einfach an ehrenamtlichen Betreuern und die nötigen finanziellen Mittel. Früher war es wesentlich einfacher Kinder und Jugendliche für eine Sportart zu motivieren, heute lockt man sie nicht mehr so einfach hinter „dem Ofen“ hervor. 

 

Durch das Überangebot an Sportarten heutzutage muss in den Vereinen wesentlich mehr geboten werden als nur 1-2-mal Training die Woche. Da gehört unter anderem Spaß dazu und man muss die Kinder und Jugendlichen motivieren dabei zu bleiben, so dass sie sagen „Kegeln, das ist der Sport den ich machen will“. 

 

Dass dies alles nicht einfach ist weiß ich aus eigener Erfahrung denn ich habe selbst mal Jugendarbeit im KSV Wetzlar gemacht. Es gibt schon Möglichkeiten Kinder und Jugendliche zum Kegeln zu begeistern, wichtig ist einfach dass auf sie zugegangen wird um ihnen das Kegeln näherzubringen denn von alleine werden sie nicht kommen. 

 

Man hat z.B. die Möglichkeit Kegelkurse im Rahmen der Ferienpassaktion anzubieten, des weiteren sollten die Vereine in die Schulen gehen, dort das Kegeln publik machen um so über eine Kegel AG Kinder und Jugendliche in die Vereine zu integrieren. Zum Abschluss appelliere ich an alle Vereine, betreibt intensiv Jugendarbeit denn die Jugend ist nicht nur die Zukunft jedes Vereins, sondern auch die Zukunft des ganzen Kegelsports. Den Kindern und Jugendlichen möchte ich noch mit auf den Weg geben, macht lieber nur eine Sportart, die aber richtig, als zwei oder drei und die nur halbherzig. 

 

Frage: 

Von Seiten der Kegler kommt immer wieder der Hinweis und die Bitte, es müsste das Fernsehen und der Rundfunk mehr von dem Kegelsport berichten, bzw. übertragen. Fast im gleichen Atemzug kommt aber die Einschränkung, es sei allerdings sehr stören, wenn während einem Wettkampf gefilmt wird. 

 

Wie beurteilen Sie als Spitzensportler diese Aussage; und würde auch eine Fernsehübertragung Ihre Konzentration sehr stören? 

 

Antwort: 

Erst mal möchte ich sagen das Fernsehen und Rundfunk dazu beitragen können dass der Kegelsport doch endlich ernst genommen wird und nicht, wie es leider immer noch der Fall ist, mit dem Kneipenkegeln verglichen wird. 

 

Die Aussage wiederspricht sich. Ich kann nicht auf der einen Seite nach Fernsehen und Rundfunk schreien um das Sportkegeln der Öffentlichkeit näherzubringen, dann aber sagen, Huch das stört aber unseren Wettkampf. In der heutigen Zeit gibt es sicherlich Möglichkeiten einen Wettkampf oder eine Meisterschaft zu filmen ohne dass man es großartig mitbekommt. 

 

Für mich ist es schwer einzuschätzen ob eine Fernsehübertragung meine Konzentration stören würde, weil ich bisher noch nicht in solch einer Situation war. Es gibt sicherlich Kegler die es mehr stört, aber auch Kegler die es nicht als störend empfinden. 

 

Meiner Meinung nach sollte viel häufiger in Fernsehen und Rundfunk über das Sportkegeln berichtet werden, aber ist es auch das was die Fernseh- und Rundfunksender überhaupt wollen!!!!! 

 

Frage: 

Beim Hessentag in Langenselbold hat sich der HKBV hervorragend präsentiert. Besonders erfreulich war, das Yvonne Ruch, die erst am Vortag Europameisterin wurde, einen ganzen Tag als Ehrengast anwesend war und den Keglern auf der Freiluftkegelbahn  mit guten Ratschlägen zur Seite stand. 

 

Wären auch Sie bereit, als Ehrengast an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen und würden auch Sie sich bereit erklären,  Tipps zur Verbesserung des Ablaufs beim Kegeln zu geben? 

 

Antwort: 

Natürlich würde ich an einer solchen Veranstaltung teilnehmen und den Keglern mit Rat und Tat zur Seite stehen, denn Veranstaltungen wie der Hessentag sind eine super Plattform um das Sportkegeln zu präsentieren, gerade mit der Freiluftkegelbahn. 

 

Überlegenswert wäre meiner Ansicht nach auch die Jugend einzubinden, um unter anderem die jungen Gäste der Veranstaltung anzusprechen und für den Kegelsport zu gewinnen. 

 

Frage: 

Leider haben Sie sich in Düsseldorf verletzt und müssen, wie man hört, eine längere Zeit pausieren. 

 

Welche Verletzung haben Sie sich zugezogen und wodurch ist das passiert? 

 

Antwort:

Ja, das ist wirklich richtig dumm gelaufen. Beim Jubelsprung über den gerade gewonnenen Deutschen Meistertitel im Mixed, mit meiner Partnerin Ilona, habe ich mir das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen. 

 

Eins habe ich daraus gelernt, nämlich einfach „Bodenständig“ bleiben. 

 

Frage: 

Da Sie ein stets positiv denkender Mensch sind möchte ich Sie fragen, wie Sie aus heutiger Sicht Ihre sportliche Zukunft sehen? 

 

Antwort: 

Natürlich steht jetzt erst mal die Gesundheit im Vordergrund. Wenn meine Verletzung auskuriert ist und ich grünes Licht von Seiten der Ärzte bekomme, werde ich selbstverständlich wieder ins Kegeltraining einsteigen. 

 

Ich bin mir sicher auch aus dieser Verletzung gestärkt wiederzukommen wie es mir 2005 nach meinem Achillessehnenriss auch gelungen ist. Ich denke meiner sportlichen Zukunft steht nichts im Wege, denn ich habe noch einige sportliche Ziele und um die zu erreichen werde ich kämpfen und alles Mögliche dafür tun. 

 

Frage: 

Wie Sie wissen, stelle ich zum Abschluss eines Gespräches immer gerne die Frage, wie  sich die Gesprächspartner selbst einschätzen. Das heißt, wo sie ihre Stärken sehen und was sie eher für ihre etwas schwächere Seite halten. Wie sieht das bei Ihnen aus? 

 

Antwort: 

Zu meinen Stärken zählen meine sehr ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit und ich kann kämpfen bis zu Umfallen, denn das Wort Aufgeben zählt nicht zu meinem Wortschatz. 

 

Zu meiner schwächeren Seite zählt, dass ich ein furchtbarer Morgenmuffel bin. Wer mich näher kennt weiß dass ich morgens ungern viele Worte verliere bevor ich richtig wach bin. 

 

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Alex, ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen, auch im Namen aller Sportler, eine gute Besserung. Natürlich freuen wir uns darauf Sie schon bald wieder als den Leistungsträger der hessischen Kegler begrüßen zu können.