|
Gotthard Fürstenfelder, HKBV Sektion Schere/Bohle heute im Gespräch mit dem Bezirkssportwart Ost, Torben Möller
Frage:
Herr Möller, seit einem guten Jahr sind Sie nun Bezirkssportwart Ost. welche Erfahrung haben Sie gemacht und haben Sie sich die Arbeit so vorgestellt wie sie ist?
Antwort:
Nach einem Jahr „Amtszeit“ habe ich viele gute, aber logischerweise auch einzelne negative Erfahrungen machen können bzw. müssen. Durch meine Zusammenarbeit mit meinem Vorgänger Helmut Strube war mir ein Großteil der Aufgaben klar – denn man sollte sich vor der Übernahme eines Amtes sehr wohl über die Tätigkeiten im Klaren sein.
Mein Verständnis für die Spielplanerstellung und die Planung der Startplätze bei den Meisterschaften ist jedoch noch größer geworden als es vorher schon war. Bei der Erstellung der Ligenspielpläne werden sehr viele Wünsche geäußert, die zum großen Teil auch beachtet werden können. Jedoch sind auch Anfragen dabei, die grundsätzlich nicht möglich sind. Bei der Erstellung der Startlisten für Meisterschaften ist es auch eine Gratwanderung keinen Verein zu bevor- oder zu benachteiligen.
Wie mir aber von vielen Sportkameraden mitgeteilt wurde, hat dies alles in meinem ersten Jahr wohl recht gut funktioniert – kleine Fehler passieren natürlich auch, aber diese sind dazu da, es beim nächsten Mal besser zu machen!
An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an Friedrich Fuß, der mich als Bezirksdamenwart und Ligenleiter von drei Ligen hervorragend unterstützt.
Frage:
Wieviele Sportlerinnen bzw. Sportler insgesamt haben Sie in Ihrem Bezirk und in welchen Ligen spielen diese?
Antwort:
Eine genaue Anzahl der Sportlerinnen und Sportler habe ich nicht parat – aber es sind schätzungsweise 380 Keglerinnen und Kegler.
Bei den Mannschaften ist dies schon klarer - 55 Mannschaften sind für den Bezirk Ost am Start. Diese Zahl wird sich jedoch durch angekündigte Nachmeldungen noch um voraussichtlich drei erhöhen.
Diese Teams verteilen sich auf alle Spielklassen im Herrenbereich. Die KSG Neuhof spielt kommende Saison wieder in der ersten Bundesliga und Eintracht Heringen sowie die SKG Sontra vertreten den Bezirk in der zweiten Bundesliga. Auch in Hessens höchster Spielklasse sind wir mit dem ESV Ronshausen und den beiden Aufsteigern AN Bosserode und GF Fulda sehr gut vertreten. Fast alle dieser Teams hatten in dieser Saison ja auch etwas zu feiern – vier Aufsteiger sind darunter und Heringen konnte ja in letzter Sekunde den Klassenerhalt mit dem Erfolg im Relegationsspiel gegen Lebach feiern.
Im Damenspielbetrieb ist der Bezirk Ost leider nicht mehr vertreten, da die Damen von SKS Fulda und Eintracht Heringen nicht mehr für die Damenligen gemeldet haben – in die Hessenliga können beide nicht, da sie keine sechs Spielerinnen mehr haben und die Regionalliga Nord der Damen wird es nicht mehr geben. Wichtig ist aber, dass beide Teams in der kommenden Saison trotzdem an den Start gehen wollen und hoffentlich auch in den A-Ligen der Herren ihre Rollen spielen werden.
Hier wird aber ein eklatantes Problem im Ligenspielbetrieb deutlich – die verschiedenen Mannschaftstärken! Es passt einfach nicht mehr dass in den höheren Klassen mit Sechser-Teams gespielt wird und ab der Regionalliga der Damen bzw. der Bezirksligen der Herren mit Vierer-Mannschaften gestartet wird. Durch diese Grenze bekommen wir mehr und mehr Probleme bei der Zusammenstellung der Ligen. Diese Problematik steht meiner Ansicht nach zum Teil in direktem Zusammenhang mit dem Mitgliederschwund.
Frage:
Wie ist die Teilnahme an sportlichen Veranstaltungen im Bezirk Ost zu bezeichnen?
Antwort:
Bei der Teilnahme an Meisterschaften ist in den letzten Jahren auch ein Rückgang zu bemerken. Dieses hat sicher vielschichtige Gründe, zum einen aus beruflichen und familiären Anlässen und zum anderen aus Motivationsgründen.
Jedoch gibt es hier eins zu bedenken – wo sonst bekomme ich als Sportler die Möglichkeit mich mit höherklassigen Spielern zu messen, wenn nicht auf den Bezirksmeisterschaften? Dies allein sollte besonders für Spieler von Teams, die aufgrund verschiedener Aspekte nicht höherklassig spielen können, eine klare Motivation sein. Und es gab in den letzten Jahren auch schon einige Überraschungen, wo vom Papier her schwächer eingestufte Spieler in die Endläufe oder auch auf die Hessischen kamen. Weiterhin trifft man auf den Meisterschaften auch Spielerinnen und Spieler die man sonst das ganze Jahr nicht sieht.
Frage:
Beteiligen sich auch Jugendliche an Ausschreibungen oder müsste nach Ihrer Ansicht mehr Vereinsarbeit geleistet werden?
Antwort:
Mit meinen Ausschreibungen hat die Jugend nur im Ligenspielbetrieb etwas zu tun. Dort kommen die Jugendlichen aber auf gute Einsatzzahlen. Auf Bezirksebene betreut der Bezirksjugendwart Hans-Jürgen Rösener die Jugendlichen, aber auch er hat sinkende Teilnehmerzahlen bei den Meisterschaften zu vermelden. Dort sieht man aber die Problematik sehr deutlich. Nur noch wenige Vereine leisten Jugendarbeit – die einen mehr, die anderen weniger, aber allen diesen Vereinen muss man Respekt zollen, denn sie tun etwas!!!
Wenn sich jeder Verein in der Jugendarbeit engagieren würde, würden wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen gäbe es wieder mehr Teilnehmer an den Jugendmeisterschaften und zum anderen bräuchten wir uns dann wohl weniger Gedanken machen, wie wir einzelne Ligen voll bekommen.
Eins ist allerdings auch klar – das Freizeitangebot ist wesentlich breiter geworden – hier muss man als Verein schon etwas bieten um die Jugend zu begeistern. Das fordert viel Zeit, Energie und bisweilen auch etwas Geld – aber sollte uns das der Erhalt des Kegelsports nicht wert sein?
Frage:
Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie für das nächste Jahr geplant?
Antwort:
Als Bezirkssportwart kann man nur bedingt etwas zur Verbesserung der Anzahl der Keglerinnen und Kegler tun - das muss in den Vereinen erfolgen.
Bei der Ligeneinteilung der A-Ligen möchte ich etwas verändern, jedoch ist dies abhängig von den Vereinen die auf der Bezirksversammlung am 05. Juni 2009 in Fulda anwesend sind. Auch der Zeitplan für die Bezirksmeisterschaften 2010 wird überarbeitet – dort versuche ich die Abfolge der Wettbewerbe etwas angenehmer zu gestalten.
Frage:
Inzwischen gibt es einige Großvereine. Welche Vor- oder Nachteile sehen Sie in dieser Entwicklung und wird dort die personenbezogene Ausbildung, insbesondere im Jugendbereich, nach Ihrer Ansicht verbessert?
Antwort:
Ich bin keinesfalls der Ansicht dass die Qualität der Jugendarbeit von der Vereinsgröße abhängig ist. Wie gut die Jugendarbeit funktioniert liegt alleine an den Personen die die Jugendlichen betreuen, egal ob das ein Verein mit 100 Mitgliedern ist oder ein Klub mit 10 Mitgliedern. Der KV Sontra ist im Bezirk Ost bzw. auf Hessenebene sicher ein leuchtendes Beispiel – aber auch der SKV Heringen, der ESV Fulda und der PSV Fulda, um nur einige zu nennen, leisten gute Arbeit. Was gute Jugendarbeit erbringen kann zeigen die Wiesecker Mädels – mit dieser jungen Truppe in die Bundesliga, Chapeau.
Man sollte immer daran denken dass auch, oder eher besonders die „kleinen“ Vereine das Kegeln aufgebaut haben und man diese Vereine keinesfalls links liegen lassen sollte. Denn ohne die sogenannten „Kleinen“ würde dem Kegelsport so einiges fehlen.
Frage:
Sie haben sicher bemerkt, dass die Frage nach Jugendlichen immer wieder auftaucht. Was haben Sie geplant, um auf diesem Gebiet eine Verbesserung der jetzigen Situation herbeizuführen?
Antwort:
Wie oben schon angeführt habe ich da als Bezirkssportwart nur sehr geringe Möglichkeiten. Man kann an die Vereine / Klubs nur appellieren etwas im Jugendbereich zu tun – das müssen nicht gleich 10 oder 15 Jugendliche sein, die man zu Kegeln motivieren kann, auch Vereine / Klubs die zwei, drei oder vier Jugendliche zum Kegeln bringen, tun etwas für den Kegelsport und zur Erhaltung des eigenen Vereins / Klubs.
Frage:
Haben Sie eine Idee, wie der Mitgliederschwund insgesamt gestoppt werden kann und wie eine positive Änderung auf diesem Gebiet zu erreichen ist?
Antwort:
Eine absolut schwierige Frage – auch hier kommen wir zur Jugendarbeit in den Vereinen, aber Kegeln ist auch ein Sport der noch mit 30 oder 40 Jahren erlernt werden kann, das sollte man nie außer Acht lassen.
Ich denke wir sollten zuerst versuchen den Negativtrend zu stoppen bzw. die Mitgliederanzahl auf einem gleichbleibenden Level zu halten und den Keglerinnen und Keglern den Spaß und die Motivation am Kegeln zu erhalten.
Frage:
Welche Unterstützung als Bezirkssportwart erwarten Sie von den Vereinen?
Antwort:
Zugegeben, etwas mehr Unterstützung wäre in einzelnen Fällen sehr schön. Sowohl auf Sektionsebene, als auch auf Bezirksebene finden sich leider immer weniger Personen die ehrenamtlich tätig werden wollen.
Es ist bedauerlich, dass man, wenn ein Posten neu zu besetzen ist, einfach sagt: „Naja, der eine der was tut wird das schon mit machen“. Im Bezirk Ost haben wir aktuell keinen Pressewart, dabei wäre es ein Leichtes, wenn z. Bsp. zwei Personen sich bereit erklären würden über verschiedene Ereignisse zu berichten oder Berichte aus den Vereinen zusammenzutragen. Wenn jeder der zwei nur einen Bericht pro Monat verfassen würde hätten wir eine deutlich verbesserte Präsenz in der Öffentlichkeit.
Man macht es sich manchmal zu einfach – denn sich über verschiedene Dinge beschweren ist wahrlich einfach, selbst etwas tun wollen die Personen in den meisten Fällen dann aber wiederum nicht. Dies ist für mich persönlich sehr bedauerlich.
Das alles soll aber nicht heißen dass insgesamt keine Unterstützung da wäre, mitnichten. Den mich unterstützenden Sportkameraden sage ich auf diesem Weg Danke für ihre Hilfe im vergangenen Jahr.
Frage:
Sind Sie grundsätzlich mit den Ergebnissen und dem Engagement der Mannschaften in Ihrem Bezirk zufrieden?
Antwort:
Ich denke wenn man als Bezirk einen 1.Bundesligisten, zwei 2.Bundesligisten und drei Hessenligisten hat ist das schon sehr ordentlich und stimmt positiv. Auch das Engagement und die Leistungen der anderen Teams sind sehr gut. Im nächsten Jahr richten die Vereine aus Heringen, Hönebach und Bosserode in Heringen und Wildeck-Raßdorf die Landesmeisterschaften aus, da kann man als Bezirkssportwart beim Heimspiel wieder auf hervorragende Leistungen und Platzierung hoffen.
Frage:
Abschließend möchte ich gerne die Frage stellen, wo Sie persönlich Ihre eigenen Stärken sehen und wo Ihre etwas schwächere Seite?
Antwort:
Eine meiner Schwächen ist, dass ich diese Fragen liebe (Vorsicht Ironie). Aber mal ehrlich, ich denke meine Stärken liegen in der Zielstrebigkeit, meinem Einsatz und meiner seit nunmehr 26 Jahren andauernden „Kegelverrücktheit“. Schwächen gibt’s auch einige, aber soll ich die wirklich nennen?
Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei meiner Frau Carolin, die selbst kegelt, mich bei meiner übernommenen Tätigkeit unterstützt und viel Verständnis für einen „Kegelverrückten“ aufbringt.
-----------------
Herr Möller, Sie haben ja erst kürzlich geheiratet. An dieser Stelle möchte ich Ihnen und Ihrer Frau noch einmal alles Gute für den gemeinsamen Lebensweg wünschen. Bedanken möchte ich mich aber heute für das Interview und ich bin sicher, dass Sie auch weiterhin die richtigen Entscheidungen als Bezirkssportwart treffen werden.