04. Februar 2012
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Schriftführer der Sektion Schere, Gotthard Fürstenfelder, heute im Gespräch mit dem Vorsitzenden des KSV Limburg
Frage: Herr Hawellek, vor vier Jahren haben Sie während der Siegerehrung der Stadtmeister erfahren, dass Ihnen die Kegelanlage in Limburg nicht mehr zur Verfügung steht. Was waren die Gründe für diese Entscheidung und wie haben Sie diese aufgenommen?
Antwort: Also, zunächst einmal habe ich an einen Scherz gedacht, als der Bürgermeister an der Abschlussfeier der Stadtmeisterschaft diese Vorinformation gab. Leider oder wie ich heute sagen kann, Gott sei Dank, war es wirklich kein Scherz. Als Gründe, die Kegelbahnen abzureißen und Bowlingbahnen zu bauen, wurden uns wirtschaftliche Aspekte und hohe Renovierungskosten genannt.
Frage: Wie hat die Mehrheit der Vereinsmitglieder auf die Mitteilung reagiert?
Antwort: Wir waren alle geschockt, denn wir wussten nicht, wie es weiter gehen sollte. Einige von uns wollten vor Gericht klagen, weil wir noch einen gültigen Pachtvertrag mit der Stadt hatten. Andere sprachen schon von Auflösung, kurz, es war eine sehr schwere Zeit für den KSV Limburg.
Frage: Der KSV Limburg hat kurzfristig eine Bleibe auf der Bahnanlage in Kirberg gefunden, was bei einer Anreise einiger Mitglieder zum Training und Wettkampf jeweils mehr als 20 km bedeutete. War Ihnen damals schon klar, dass Sie auf alle Fälle eine andere Lösung finden müssen?
Antwort: Es standen damals zwei Möglichkeiten zur Debatte, um unseren Sport weiter ausüben zu können. Bei einer Abstimmung fiel dann das Votum fast einstimmig auf Kirberg. Mir war klar, dass das nur eine Übergangslösung sein konnte. Dies habe ich auch gleich am Anfang dem Besitzer der Kegelbahn mitgeteilt. Immer mehr kristallisierte sich heraus, es sind nicht unsere Kegelbahnen sondern wir sind nur “Gäste“. Also wieder zwei Möglichkeiten, Auflösung oder etwas Eigenes.
Frage: Wie aber kam es zu der Entscheidung eine vereinseigene Sportanlage zu bauen?
Antwort: Unser Ehrenvorsitzender, Friedhold Dassler, kam irgendwann zu mir und sagte: „Das ehemalige Hallenbad in Linter steht leer. Wäre das nichts für uns?“
Frage: Das hört sich aber sehr abenteuerlich an.
Antwort: Da haben Sie recht, Herr Fürstenfelder. Ich glaube, wenn wir lange überlegt und geahnt hätten was auf uns zukommt, angefangen von der bürokratischen Abwicklung, bis zu der unglaublichen Einsatzbereitschaft einiger Vereinsmitglieder, hätte mich der Mut verlassen so ein Projekt in Angriff zu nehmen. Heute sind wir froh und stolz nicht lange überlegt zu haben.
Frage: Bei der Einweihung der Sportanlage konnte man sehen, dass die Anerkennung für die Leistung des Vereins landauf, landab große Anerkennung und Bewunderung gefunden hat; denn Vertreter von der hessischen Landesregierung, allen politischen Parteien, den Banken, die Sponsoren, dem Landrat und viele weitere Gäste sind Ihrer Einladung gefolgt und zur Einweihungsfeier gekommen. Hat das dem Verein noch einmal einen neuen Auftrieb gegeben, diese Stätte mit Leben zu füllen?
Antwort: Ich finde die Einweihung war ein absoluter Höhepunkt und die würdige Anerkennung dafür, dass ein kleiner Verein wie der KSV Limburg so ein Projekt auf die Beine stellen konnte. „ Jetzt können wir es Dir ja sagen: Das hätte ich Euch nie und nimmer zugetraut“. Das oder so ähnlich waren die Aussagen vieler Gäste an diesem Abend. Zu Ihrer eigentlichen Frage, natürlich gibt einem eine so positive Resonanz Kraft und Motivation das Ganze mit Leben zu füllen. Ganz klar muss man auch den wirtschaftlichen Aspekt beachten, denn auch die Bank will befriedigt werden.
Frage: Die ersten Früchte konnten Sie ja schon einfahren, denn die zweite Mannschaft hat den Aufstieg in die Bezirksliga 2 Süd/West geschafft. Sind Sie mit der bisherigen Entwicklung zufrieden? Antwort: Viel besser geht es nicht, wenn man auf einer neuen Anlage mit anfänglichen Schwierigkeiten beim Kegelspiel, gleich im ersten Jahr einen Meistertitel holt, so dass die 1. und 2. Mannschaft in der Bezirksliga 1 spielen. Durch die Aktivierung der Jugend konnten wir erfreulicherweise eine 3. Mannschaft für die neue Saison melden. Auch sportlich gesehen hat uns die neue Anlage einen mächtigen Schub gegeben und schauen wir mal, was die neue Saison bringt. Frage: Eine sehr hohe Anerkennung finden die Stadtmeisterschaften. Was ist das Besondere an dieser Veranstaltung?
Antwort: Die Stadtmeisterschaft hat seit vielen Jahren einen festen Platz in unserem Veranstaltungskalender. Hier können Hobbykegler, Kinder und Jugendliche in verschiedenen Disziplinen ihren Stadtmeister ermitteln. Highlight jeder Stadtmeisterschaft ist, wenn sich geistig behinderte Menschen aus verschiedenen Einrichtungen bei uns treffen und ihre eigene Meisterschaft auskegeln. An diesem Tag sind etwa einhundert Menschen mit Handicap bei uns zu Gast. Wenn man sieht mit was für einem Spaß und einer Freude dieser Personenkreis kegelt, kann man nur sagen: Das ist wirklich der absolute Höhepunkt der Stadtmeisterschaft.
Frage: Welche Rolle spielt die Ausbildung von Jugendlichen in Ihrem Verein und wie viele Jugendliche haben Sie bereits?
Antwort: Schon seit vielen Jahren arbeiten wir mit Jugendlichen. Aus dieser Arbeit rekrutieren auch einige unserer aktiven Spieler, die sich mittlerweile zu tragenden Säulen innerhalb unseres Spielbetriebs entwickelt haben. Die Jugendarbeit wurde natürlich durch den unseligen Ausfall unserer Heimbahnen in der Limburger Stadthalle unterbrochen und fuhr auf null zurück, aber seit der Eröffnung unserer eigenen Bahnanlage konnte die Jugendarbeit wieder aufgenommen werden und wir haben mittlerweile neun Jugendliche, die zum Teil auch schon im nächsten Jahr im Spielbetrieb der dritten Mannschaft integriert werden sollen. Die Jugendarbeit war in unserem Verein schon immer ein besonderes Thema, da wir in ihr ein weiteres Fortkommen in sportlicher und wirtschaftlicher Hinsicht als Grundlagenarbeit in die Zukunft verstehen.
Frage: Welche Unterstützung, gerade bei der Ausbildung von Jugendlichen, wünschen Sie sich von dem Verband?
Antwort: Dass die Präsenz des Lehrwartes in der Sektion wieder aktiviert wird. Dass sich Trainer und Jugendbetreuer zu Lehrgängen treffen, um ihre Erfahrungen und Erkenntnisse austauschen zu können und um Richtlinien für eine einheitliche Ausbildung zu erarbeiten. Außerdem sollte die Ansprache an Schulen verstärkt werden.
Frage: Wie schätzen Sie sich persönlich ein? Wo sehen Sie Ihre Stärken und wo Ihre schwächere Seite?
Antwort: Meine persönlichen Stärken sehe ich in der ständigen Motivation der aktiven und auch passiven Mitglieder, sei es im Wettkampf, bei Arbeitseinsätzen oder gemütlichem Beisammensein. Meine persönlichen Schwächen sehe ich in meiner Ungeduld und meiner doch recht hektischen Art verschiedene Dinge zu erledigen.
Herr Hawellek, ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen für die weiteren Aufbauarbeiten im Kegelsport zur Zukunftssicherung des KSV Limburg viel Erfolg.
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