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Interview mit dem Verbandspräsidenten des HKBV Hans Peter Fink
Schriftführer der Sektion Schere, Gotthard Fürstenfelder, heute im Gespräch mit dem Verbandspräsidenten des HKBV, Rechtsanwalt Hans Peter Fink.
Frage 1
Herr Fink, zunächst möchte ich Ihnen zur Wahl zum Verbandspräsidenten des HKBV gratulieren und Ihnen für Ihre Amtszeit viel Erfolg wünschen.
Ist es Ihnen leicht gefallen, als selbständiger Rechtsanwalt dieses verantwortungsvolle Amt des Verbandspräsidenten zu übernehmen?
Antwort:
Zuerst möchte ich mich einmal bedanken für das Vertrauen, das mir durch dieVerbandsversammlung ausgesprochen worden ist.
Ich bin jetzt seit nahezu 30 Jahren als Funktionär auf Seiten des Hessischen Kegler- und Bowling-Verbandes und 25 Jahre auf Seiten des Deutschen Keglerbundes bzw. des DKBC tätig gewesen.
Insoweit ist mir die Aufgabenstellung eines Verbandspräsidenten vor der Wahl bekannt gewesen, zumal ich seit Jahren auch an Vorstandssitzungen innerhalb des Hessischen Kegler- und Bowling-Verbandes teilgenommen habe.
Von der Sache her identifiziere ich mich voll mit dem Kegelsport, sodass ich sagen kann, dass mir die Übernahme des Amtes leicht gefallen ist.
Soweit meine selbständige Tätigkeit als Rechtsanwalt angesprochen wird, gibt es selbstverständlich immer wieder Kollisionen, wobei die Entscheidung dann lauten muss, dass das Mandanteninteresse und der Beruf vorgehen.
Allerdings besteht eine ausgewogene Vertretungsregelung im Vorstand - und wie ich denke - eine hohe Kollegialität, sodass sich diese Probleme auch unter Zuhilfenahme meiner Vorstandskollegen und der Geschäftsstelle, Frau Voss, lösen lassen.
Nur die permanente Präsenz in Sport und Politik, Gesellschaft und Arbeitsplatz wird uns vorwärts bringen.
Frage 2
Die Mitgliederzahlen sind leider rückläufig. Haben Sie schon einen Plan, wie diese negative Entwicklung gestoppt werden kann?
Antwort:
Die rückläufige Mitgliederzahl scheint mir zum einen bedingt durch den Rückgang der Geburtenzahlen und der immer weiter zunehmenden Auffächerungen im Bereich der Freizeitgestaltung sowie eine Interesselosigkeit für Gemeinschaftsaufgaben.
Allein das Jammern bringt uns nicht weiter.
Auf Verbandsebene können wir natürlich nicht die Arbeit „Vor-Ort“ leisten, die hauptsächlich den Vereinen bzw. den Sektionen vorbehalten ist.
Wir können aber als Dachverband Rahmenbedingungen schaffen, dem Kegel- bzw. Bowlingsport in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert zu verschaffen, sei es durch unser Erscheinungsbild nach Außen und den mit unserem Erscheinen verbundenen Wiedererkennungswert. Die unter dem Schlagwort „Corporate Identity“ geführte Identifikationsschiene soll dazu dienen, das Wir-Gefühl innerhalb des Verbandes zu stärken.
Dieses Thema wurde bereits auf der ersten Vorstandssitzung nach der Wahl angesprochen.
Ich denke, dass im Herbst bis zum Winter hin konkrete Vorschläge unterbreitet werden, sei es über Werbematerialien, evtl. einheitliche Plakatwerbung, gemeinsame Aufkleber aller Sektionen innerhalb des HKBV (nur beispielsweise) geeignete Mittel sind, um auf die Zugehörigkeit zu dem Verband in der Öffentlichkeit hinzuweisen und sich dadurch zum HKBV zu bekennen.
Frage 3
Sicher haben Sie bereits festgestellt, dass sich meine Fragen bei jedem Interview auf die Jugendarbeit konzentrieren, da nur durch eine aktive Jugendarbeit die Zukunft des Kegelsports gesichert werden kann. Welche besonderen Maßnahmen streben Sie an, um gerade den Bereich „Jugend“ stärker für den Kegelsport zu begeistern?
Antwort:
Soweit Sie die Jugendarbeit ansprechen, ist dies mir natürlich auch ein Anliegen.
Bisherige Freizeitaktivitäten der Verbandsjugend sind bekannt.
Die aktive Jugendarbeit wird aber mit Sicherheit immer von den Großvereinen/Vereinen ausgehen müssen. Dass hier hervorragende Leistungen gezeigt werden, ergibt sich auch unter anderem aus der Verleihung des „Grünen Bandes für vorbildliche Talentförderung im Verein“, das von einer deutschen Großbank, verbunden mit Geldpreisen, verliehen wird.
Diese Erfolge müssen in der Öffentlichkeit stärker herausgestellt werden, um auch hier Sympathie- und Nachahmungseffekte zu erzeugen.
Der Vorstand fordert selbstverständlich auch von Seiten der Verbandsjugend Entwicklungskonzepte.
Immerhin gibt es in Hessen das Programm zur Zusammenarbeit von Schul- und Sportvereinen, wobei auch hier seitens des Bundesministeriums Kooperationsverträge für Sport- und Bewegungsangebote im Rahmen der ganztägig arbeitenden Schulen angeboten werden.
Diese und ähnliche Initiativen zwischen Sport und Politik werden mit Sicherheit im Vorstand untersucht und aufgearbeitet.
Die Vorstandstätigkeit des HKBV (nicht die Tätigkeit des Verbandsjugendvorstandes) war bislang innerhalb der autarken Verbandsjugend auf die finanziellen Förderungen und auf die Durchführung von Wettbewerben beschränkt. Inwieweit hier mit den Vereinen eine vernünftige Lösung zur Stärkung der Jugend gefunden werden kann, muss im Einzelnen noch untersucht werden.
Frage 4
Es wäre wünschenswert, wenn von dem Kultusministerium die Schulen zur Bildung von Kegel AG´s hingewiesen und motiviert werden könnten. Haben Sie geplant derartige Verbindungen aufzugreifen?
Antwort:
Von dem Ansprechen des Kultusministeriums erwarte ich mir leider keine all zu großen Erfolge.
Zum einen scheint die Diskussion in Hessen zurzeit sich mehr um die G8-Diskussion und den geeigneten Schultyp zu bewegen, als dass die Inhalte für die Sportertüchtigungen und die Lehrpläne abgefragt werden.
Zumindest ist dies mein Eindruck. Ich denke aber, dass das Kultusministerium insgesamt eine neutrale Haltung einnehmen muss, sodass wir von dort nicht die große Unterstützung erhalten werden, die man sich vielleicht vorstellt. Der Weg, der zur Zeit bei dem Hessischen Kegler- und Bowling-Verband beschritten worden ist, ist das Ansprechen von Schulen, wobei es mir als sinnvoll erscheint, mit den einzelnen Schulämtern in Kontakt zu treten, um vielleicht in dem einen oder anderen Stadt-/Landkreis das Kegeln/Bowling anbieten zu können.
Die Initiativen des Kultusministeriums im Bereich der Ganztagsbetreuung und der Talentsuche im Sport sind in jedem Fall zu begrüßen.
Frage 5
Für den Verband ist es von größter Bedeutung einen Rechtsanwalt an der Spitze zu haben, denn in den Wirren der Satzungen müsste man Jurist sein, um sich zurechtzufinden.
Werden Sie den Keglern vor Ort das Leben erleichtern in dem Sie diese Satzungen von unnötigem Ballast befreien, oder müssen wir damit rechnen, dass der Paragrafen- Dschungel noch weiter aufgebläht wird?
Antwort:
Die Satzung ist das Gerüst, das uns im HKBV zusammenhält.
Natürlich ist es ein Wunsch von mir, den Sport so weit wie möglich zu entbürokratisieren. Andererseits sind wir insbesondere im Elektronikzeitalter eine Nation der Formulare geworden, die insbesondere im Rahmen der Statistik, bei der Bewilligung von Geldern, bei Steuerangelegenheiten etc. unser Leben bestimmen.
Es ist nicht daran gedacht die Satzung in sich selbst aufzublähen, sondern so behutsam wie möglich mit diesem Thema umzugehen.
Allerdings ist damit zu rechnen, dass in dieser bzw. in der nächsten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages ein neues Vereinsrecht durch den Gesetzgeber verabschiedet wird.
Die entsprechenden Anhörungen in den Verbänden sind bereits gelaufen (auch DOSB = Deutscher Olympischer Sport Bund).
Inwieweit dann Satzungen und Ordnungen angepasst werden müssen, wird sich nach Vorliegen der endgültigen Gesetzesneufassung ergeben.
Frage 6
Vereine und/oder Klubs haben durch den Mitgliederschwund sehr häufig keine andere Möglichkeit als sich zusammenzuschließen. Können Sie sich dafür einsetzen, dass es hier klare Regelungen gibt und diese den Vereinen auch zugänglich gemacht werden?
Antwort:
Soweit Sie den Mitgliederschwund ansprechen, der die Existenz von Vereinen und Klubs bedroht, hat meiner Ansicht nach der Hessische Kegler- und Bowling-Verband hier schon eine kleine Vorsorge betrieben, in dem er Regeln für die Fusionen von Vereinen und Clubs und den Erhalt der Startplätze getroffen hat
Ob und inwieweit Spielgemeinschaften zu fördern sind, müssen die Sektionen aus sich heraus beurteilen und sodann möglichst einheitlichen Regelungen innerhalb des Verbandes in dem Vorstand zur Diskussion und Verabschiedung vorschlagen.
Ich denke aber, dass auch in diesem Fall den Vereinen durch klare Regelungen, die den Gesamtverband betreffen, mehr geholfen ist, als durch einzelne Ausnahmeregelungen, die bestenfalls außergewöhnliche Härten vermeiden können.
Frage 7
Das Thema „Abkürzungen“ ist große Mode. Doch leider sind diese Abkürzungen sehr wenigen Sportlern bekannt. Sehen Sie eine Möglichkeit eine Fibel der Abkürzungen mit deren Bedeutung ins Internet zu stellen, damit man weiß von was geredet wird?
Antwort:
Natürlich ist der BuAküFi (Bundesabkürzungsfimmel) offensichtlich schon länger in großer Mode.
Dass wir heute zum Teil schon nicht einmal mehr in derselben Sportart sämtliche Fachbegriffe bzw. Abkürzungen beherrschen, ist sehr bedauerlich.
Ich greife gerne Ihre Anregung auf und werde mich dieses Themas auch im Vorstand annehmen.
Ob und inwieweit der HKBV dann ein eigenes Abkürzungsverzeichnis kreiert und in das Internet einstellt, wird sich aus dieser Diskussion entwickeln.
Frage 8
Natürlich ist es spannend zu erfahren, welche Ziele Sie sich kurzfristig, mittelfristig und langfristig gestellt haben. Es wäre großartig, wenn Sie uns diese mitteilen könnten.
Antwort:
Die allgemeinen Ziele von mir sind in erster Linie, den HKBV zu fördern und zwar sowohl sportlich als auch gesellschaftlich.
Die finanzielle Förderung durch die öffentliche Hand und Sponsoren muss hier aber auch mit als einer der Verbandsziele zur Förderung der Sportaufgaben sein.
Kurzfristig geht es um die Erhöhung der Präsenz in Politik und Gesellschaft.
Die mittelfristige Planung ist die Förderung der Darstellung des Verbandes und der Identifikation seiner Mitglieder mit dem ausgeübten Sport und seinen Leistungsträgern; ebenso wie Identifikation der Sportler und der Mitglieder mit dem HKBV.
Langfristig geht es darum, den Kegelsport kontinuierlich weiterzuentwickeln, das Bildungsangebot im Kegelsport durch verstärkte Ausbildungsangebote zu erhöhen und entsprechende Personen in geeigneter Weise hierfür zu begeistern.
Ob und inwieweit diese Maßnahmen dann geeignet sind, den Abwärtstrend in der Mitgliederentwicklung zu stoppen, vermag ich nicht zu prognostizieren, auf der anderen Seite muss es allerdings das Ziel bleiben, die Sache, für die man sich eingesetzt hat und für die man durch seine Wahl auch gerade zu stehen hat, zu fördern und mit neuem Leben zu erfüllen.
Hierzu gehört insbesondere auch die Beteiligung aller Vereine am Verbandsleben und der gegenseitige Kontakt zwischen Vorstand und den Mitgliedern auf sportlicher, mitmenschlicher und gesellschaftlicher Ebene.
Deshalb spreche ich auch dem Hessischen Keglerverband, allen Mitgliedsvereinen, Sportlern, Nichtsportlern und Fördermitgliedern ein dreifaches „gut Holz“ aus und bedanke mich.
Herr Fink, ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen für Ihr verantwortungsvolles Amt viel Erfolg.