01. August 2010
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![]() Helmut Listmann |
Gotthard Fürstenfelder, heute im Gespräch mit Helmut Listmann 1. Sportwart vom KSV Wetzlar.
Frage:
Hallo Helmut, der KSV Wetzlar ist das Aushängeschild für den Kegelsport. Als 1. Sportwart ist Ihr Aufgabengebiet bei der Größe Ihres Vereins kaum zu überschauen. Jugendliche, Erwachsene, „Deutsche Meister“, Kadertraining und vieles mehr hat Ihr Verein zu koordinieren.
Gerade deshalb möchte ich den Lesern des Interviews gerne einen Überblick Ihrer Tätigkeit und Ihres Aufgabenumfanges geben.
Wieviele Mitglieder hat der KSV Wetzlar?
Antwort:
Im KSV Wetzlar sind derzeit ca. 200 Mitglieder registriert.
Für den Spielbetrieb bei den Herren stehen mir 36 Kegler zur Verfügung.
Unsere Mädels können derzeit auf 10 aktive Spielerinnen zählen.
Die spielberechtigten Jugendlichen sind mit eingerechnet.
Frage:
Sie sind ja selbst Sportkegler. Wann haben Sie mit diesem Sport angefangen und wie ist Ihr bisheriger Werdegang?
Antwort:
Ich habe 1980 mit dem Sportkegeln beim KSV Wetzlar angefangen und bin, wie du siehst, dort „hängen“ geblieben. Ich habe in der 2. Mannschaft angefangen und später in der Ersten Hessen- und Bundesliga gespielt.
Frage:
Wie kamen Sie zu der verantwortungsvollen Position des 1. Sportwartes und worin sehen Sie Ihre größte Herausforderung?
Antwort:
Man könnte ja sagen, wie es so oft in vielen Vereinen geschieht (nicht nur Kegelsportvereine), keiner wollte und ich hatte die Position gleich. Aber nein, so war das nicht. Bevor ich dem KSV Wetzlar beigetreten bin, habe ich schon in anderen Vereinen und Institutionen Verantwortung getragen. Als ich, wie schon oben erwähnt 1980 eingetreten bin, sah ich, dass sich dieser Verein sportlich und gesellschaftlich auf einem guten Weg befindet. Eine schon damals sehr erfolgreiche Jugendarbeit unter dem leider schon viel zu früh verstorbenen Karl-Heinz Lehnhausen und die sich stetig abzeichnende sportlich aufsteigenden Tendenz unter der Führung unseres Vereinsgründers Gerhard Mutter bestärkte mein Vorhaben mich nicht nur sportlich einzubringen, sondern auch in der Vereinsarbeit dem KSV Wetzlar zur Verfügung zu stehen. Leider ist diese Einsicht nicht allzu verbreitet unter Vereinsmitgliedern. Aber konsequente und gute Vorstandsarbeit, gerade in einem Verein wie dem KSV mit seiner eigenen, in völliger Eigenregie betriebenen Sportanlage, schafft erst die Voraussetzungen für ein gutes, „gesundes“ ´Vereinsleben. Nach dem Motto: “In einer Gemeinschaft Wirken und Mitwirken eben zum Wohle dieser Gemeinschaft“. Ich will hier nicht ins Pathetische abgleiten, sonder nur einmal darauf hinweisen, dass „Verein“ nicht immer nur Spaß, Geselligkeit, Gemeinsamkeit und sportliche Betätigung bedeutet, sondern auch Arbeit.
Zwischenzeitlich war ich auch als Schriftführer aktiv im Vorstand. Die Arbeit als 1. Sportwart ist besonders in der Spielrunde etwas stressig, da ich mich den sportlichen Zielen eines Sportvereins verpflichtet fühle und nicht den taktischen Spielchen wie, wer spielt wo gute Zahlen und wie kann ich Mannschaften in unteren Klassen verstärken um Punkte einzufahren.
Bei sechs Herrenmannschaften mit zumeist unterschiedlichen Spielterminen und Spieltagen und dem doch zeitweise enormen Personalausfall durch Arbeit, Urlaub oder Krankheit/Verletzung ist es für mich nicht einfach bei den Aufstellungen immer die vermeintlich stärksten Kegler in der höchsten Mannschaft einzusetzen, egal ob der Gegner nun als „Kanonenfutter“ oder unschlagbar angesehen wird. Weitere Herausforderungen sehe ich in dem Vorhaben unsere Nachwuchskegler richtig zu integrieren und nicht zu „verheizen“ und mit der 1. Mannschaft in nächster Zukunft die Bundesliga zu erreichen.
Frage:
Wie ist die Aufteilung der aktiven Mitglieder in Jugendliche, Damen und Herren?
Antwort:
Das habe ich schon oben eingangs beantwortet. Natürlich haben wir auch noch Reserven wenn es einmal ganz eng wird. So habe ich noch 4-5 Kegler im Hintergrund, die nicht regelmäßig spielen wollen, aber im Notfall doch aktiviert werden können.
Für die Ligenspiele spielberechtigte Jugendliche, also U18, haben wir derzeit 10 und im U14 Bereich sind es 5 Jugendliche.
Frage:
Der 1. Vorsitzende des KSV Wetzlar, Sportkamerad Jochen Janson, hat sich auf der Sektionsversammlung deutlich dafür ausgesprochen, die Schulen anzusprechen und sich dort für eine Schul-AG einzusetzen um gerade den Jugendbereich zu stärken. Können Sie diesen Aufruf unterstützen und welche weiteren Möglichkeiten zur Gewinnung von Jugendlichen empfehlen Sie?
Antwort:
Ganz klar finde ich es gut solche Schul-AG´s Kegeln anzustreben. Dass sich hieraus etwas entwickeln kann, sieht man am Beispiel einer unserer Nachwuchskegler, der als Gastspieler beim SKC Waldbrunn 2010 dritter bei den Deutschen Meisterschaften geworden ist.
Sicherlich gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten Jugendliche anzusprechen und mit dem Kegeln in Verbindung zu bringen. Aber die Vereine selbst sind zunächst einmal gefordert die Voraussetzungen hierfür zu schaffen. Neben genügend qualifizierten Betreuern muss die Jugendarbeit auch mit finanziellen und materiellen Beigaben unterstützt werden. Der zeitliche Aufwand, das zur Verfügung stellen von Bahnkapazitäten und den Eltern das Gefühl zu vermitteln, dass ihr Kind in diesem Verein gut aufgehoben ist und gut betreut wird, halte ich für weitere wesentliche Voraussetzungen Kegelnachwuchs zu gewinnen.
Frage:
In der letzten Sektionsversammlung haben die Mitglieder mit einer knappen Mehrheit von 60 zu 56 Stimmen dafür gestimmt, ab der Saison 2010/2011 bis zur Bezirksoberliga mit 4er Mannschaften zu spielen. Ein wahrlich knappes Ergebnis. Wie denken Sie darüber?
Antwort:
Über das knappe Ergebnis oder über die Entscheidung? Aber Spaß bei Seite. Schlicht und ergreifend gesagt halte ich diese Entscheidung falsch. Wie ein solcher Antrag eine Mehrheit finden konnte kann ich aus sportlicher Sicht nicht nachvollziehen. Ich konnte leider nicht anwesend sein und war ziemlich entsetzt als ich davon hörte. Hierdurch wird das integrieren von Jugendlichen in Mannschaften erschwert und der Personalwechsel wird teilweise enorm schwierig. Gerade bei Vereinen, die viele Mannschaften am Start haben.
Der Hintergrund des Antrages ist doch wie schon seit Jahren immer der Gleiche: Es gibt Vereine, die keine sechs aktiven Kegler für den Aufstieg haben, aber doch auch gerne mal „oben“ mitspielen möchten. Nachgeschobene Argumente wie Fahrtkosten, Zeit und Umwelteinflüsse sind hier nur Nebenkriegsschauplätze. Deshalb gilt die Devise, anstatt Kegler/Mitglieder zu generieren, Satzungsänderungen zu generieren.
Ich bin sicher, bald kommt der Antrag die Regionalliga mit 4 Spielern spielen zu lassen.
Frage:
Die Präsentation auf dem Hessentag durch den KSV Wetzlar war ausgezeichnet. Nun steht ja als weitere Veranstaltung am 9.9.2010 der Tag des Kegelsports an. Wird sich der KSV Wetzlar wieder an dieser Promotionsaktion beteiligen?
Antwort:
Natürlich wird sich der KSV Wetzlar hier einbringen. Wir haben dafür Aktionen schon am Wochenende vorher eingeplant. Im Rahmen der Mission Olympic, Wetzlar ist hier Finalstadt, findet am 3.9.2010 ein Schulwettbewerb im Kegeln unter dem Motto „Klasse(n)spiele zur Mission Olympic“ statt. Hier bilden 4 Schüler/innen einer Klasse eine Mannschaft und spielen auf jeder Bahn 10 Wurf in die Vollen, also 40 Wurf. Gespielt wird in U14 und U18 Mannschaften. Für die Sieger sind Pokale und Sachpreise ausgelobt.
Und am 5.9.2010 ist ein Jedermann/Frau kegeln im Rahmen der vorher genannten Mission Olympic geplant. Dazu stellt der Verein erfahrene Kegler/innen und Übungsleiter zur Anleitung bereit.
Wenn du den Hessentag angesprochen hast, kann ich schon einmal sagen, dass der Hessentag 2012 in Wetzlar stattfindet und wir hier auch wieder verstärkt aktiv sein werden.
Frage:
Um das Sportkegeln interessanter zu gestalten, wurden Neuerungen wie der „Sprint“ eingeführt. Ist für Sie der Sprint ein Zukunftsgarant für den Kegelsport?
Was würden Sie zusätzlich vorschlagen?
Antwort:
Meines Erachtens ist der Sprintwettbewerb nicht das Wundermittel um dem Kegelsport das Überleben zu sichern. Höchsten eine Facette oder ein Versuch den Kegelsport durch den direkten Kampf Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau etwas attraktiver zu machen. Jedoch frage ich mich, ob da 2x10 Wurf das richtige Spielsystem ist. Es erinnert mich immer so ein bisschen an meine Zeit beim Hobbykegeln, wo mit 10 Wurf in die Vollen der Abendmeister ermittelt wurde. Richtigerweise wird bei Meisterschaften oder größeren Turnieren der Sprint in Gruppen mit mindestens 4 Spielern in der Gruppe ausgetragen. So kommt es wenigstens zu mindestens 60 Wurf für jeden und der sportliche Aspekt ist wieder etwas zu erkennen. Problematisch für mich dabei ist, dass das Verletzungsrisiko durch die zwischenzeitlichen Pausen steigt. Auch verlangt dieser Wettbewerb einen hohen organisatorischen Aufwand. Wenn auf 4 Bahnen gleichzeitig Sprint gespielt wird und die Veranstaltung nicht permanent unterbrochen werden soll, kommt die Spielleitung gehörig ins schwitzen. Ich weiß wovon ich rede, da ich erst kürzlich einen solchen Wettbewerb durchgeführt habe. Trotzdem sehe ich auch im Sprint eine der Möglichkeiten die Zukunft des Kegelsports zu sichern. Bei Jugendlichen, so habe ich den Eindruck, kommt das ganz gut an. Wenn dann auch noch etwas gewürzt wird mit z. B. „Lucky Loser“ oder „Jokerlos“ ist die Jugend gut dabei. Womit wir wieder am alles entscheidenden Punkt angekommen sind; Jugendarbeit, Jugendarbeit und nochmals Jugendarbeit.
Nicht zu vergessen, dass auch eine gute Öffentlichkeitsarbeit durch die Vereine von großer Bedeutung ist.
Frage:
Helmut, es ist Ihnen sicher bekannt, dass ich zum Abschluss eines Interviews immer die Frage stelle, was Sie persönlich als Ihre sportliche Stärke ansehen und was Ihre eher etwas schwächere Seite ist?
Antwort:
Nun immer nach dem Motto; „Wer´s nicht versucht, hat schon verloren“. Leider habe ich mir selbst das Kegeln durch learning by doing und Anschauungsunterricht beibringen müssen. Hatte also nie einen richtigen Trainer. So sind doch viele Eigenheiten in die Bewegungsabläufe eingeflossen, die man im „zarten Alter“ von 60 Jahren auch nicht mehr ablegen kann oder will.
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Helmut, vielen Dank für das aufgeschlossene und interessante Interview. Für Ihre verantwortungsvolle Aufgabe als 1. Sportwart wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und stets eine glückliche Hand bei allen Entscheidungen die Sie treffen müssen.
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