hkbv-ev.de - Interview des Monats


Interview des Monats Oktober 2010 mit Jochen Janson




Jochen Janson beim Interview

Gotthard Fürstenfelder, heute im Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden Jochen Janson vom KSV Wetzlar.

Frage:
Seien Sie gegrüßt Jochen, man kann zu Recht sagen, dass der KSV Wetzlar mit all seinen Aktivitäten als Vorbild für den Kegelsport zumindest in Hessen bezeichnet werden kann. Es ist schon eine große Herausforderung das Amt des 1. Vorsitzenden zu begleiten ohne dass in dem Verein Langeweile und das Gefühl der Routine auftritt. Den Ablauf in einer eigenen Kegelanlage zu koordinieren und stets für interessante Neuerungen zu sorgen ist Ihnen bislang in hervorragender Weise gelungen.

Sie haben in Ihrem Verein Jugendliche so wie Erwachsene und es werden viele Veranstaltungen wie „Hessische Meisterschaften“, „Ländervergleichskämpfe“, „Kadertraining“, „HKBV Jugendfreizeiten“, „Mission Olympic“ und der erst am 5. September stattgefundene „Tag des Kegelsports“ durchgeführt.

In diesem Interview möchten wir gerne erfahren, wie Sie die erfolgreiche Steuerung des KSV Wetzlar im Griff behalten.

Bewältigen Sie dieses Aufgabengebiet alleine oder haben Sie einen Organisationsplan erstellt in dem Sie die Verantwortung klar delegiert haben?

Antwort:
Hallo Gotthard, zunächst einmal vielen Dank für Ihr Lob, dass ich gerne an mein Vorstandsteam weitergebe, denn natürlich bewältigt man das nicht alleine, sondern nur im Team. Es ist ja nicht damit getan Pläne zu erstellen und Verantwortung zu delegieren. Entscheidend ist doch, dass die jeweiligen Funktionsträger ihre Aufgaben mit Engagement annehmen, ihr Ressort mit Leben füllen und insbesondere das allen gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Bei uns im Kegelsportverein Wetzlar ergibt sich -wie in jedem Verein- ein Organisationsplan aus den Aufgaben und der daraus abgeleiteten satzungsmäßigen Zusammensetzung des Vorstandes. Insofern sind auch bei uns alle Aufgaben klar delegiert und eigenverantwortliches Handeln für jede Position vorgesehen. Wir haben uns für folgende wesentliche Aufteilung entschieden: der 2. Vorsitzende ist für den administrativen Schriftwechsel wie Bestandsmeldungen und Antragswesen mit Stadt, Verband usw. zuständig; der 1. Kassierer betreut den ideellen und sportlichen Bereich, Gesamtbilanz sowie Steuerfragen und der 2. Kassierer den wirtschaftlichen Bereich mit Lohnabrechnungen der Angestellten, Sozialabgaben, Umsatzsteuer usw.; die Aufgaben unserer zwei Sportwarte, der Jugendwartin, der Damenwartin und des Pressewartes ergeben sich aus der Bezeichnung; eine Beisitzerin steht für Sonderaufgaben und Einzelorganisationen zur Verfügung. Nicht zuletzt haben wir auch noch unseren Ehrenvorsitzenden, der sich nicht nur um die Mitgliederpflege, sondern auch um die alltäglichen Dinge der Kegelsportanlage kümmert.

Wichtig ist mir immer gewesen, dass jeder sein Ressort mit seinem Engagement auch selbst füllen kann, denn meines Erachtens macht dauerhaft nur so ehrenamtliche Tätigkeit Spaß. Ich stehe selbstverständlich jedem jederzeit zur Verfügung, aber da ich im KSV glücklicherweise über ein hoch motiviertes Vorstandsteam verfüge, brauche ich selbst meist nur in den Vorstandssitzungen -wie alle anderen auch- steuernd diskutieren. Daher kann ich mich auf die Organisation von Veranstaltungen oder Einzelziele konzentrieren, eines meiner Ziele wäre beispielsweise noch ein vereinseigener Mannschaftsbus. Bei dieser Gelegenheit kann ich mich bei unseren Vorstandsmitgliedern direkt einmal bedanken: Ihr seid ein klasse Truppe!

Bei der Durchführung von Veranstaltungen greift dann unsere 10-stündige „Arbeitsverpflichtung“ für jedes aktive Mitglied ab 16 Jahren, diese Regelung sorgt für eine etwas gleichmäßigere Verteilung der Arbeiten wie Instandhaltungen, Renovierungen, Rasenmähen, Schreibdienste, usw..

Frage:
Sie sind ja trotz der vielen administrativen Arbeiten selbst noch aktiver Sportkegler. Wann haben Sie mit diesem Sport angefangen und wie ist Ihr Werdegang bis zum 1. Vorsitzenden beim KSV?

Antwort:
Ich bin Anfang 1978 durch einen Schulfreund zum KSV gekommen. Die Jugendabteilung des KSV war gerade gegründet und ich war längere Zeit einer der wenigen Jugendlichen, die keine Eltern im Verein hatten. Ich habe damals noch einige andere Sportarten in anderen Vereinen betrieben und bin letztendlich wegen den sozialen Bindungen beim KSV geblieben. Mit der Vorstandsarbeit im KSV habe ich nach meinem Studium 1988 angefangen. Bevor ich zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde war ich zunächst sechs Jahre Sportwart, vier Jahre Schriftführer und dann vier Jahre 2. Vorsitzender. Parallel war ich noch seit 1997 in unserem Bauausschuss, der von der Grundstückssuche über die Planung und Koordinierung der Baumaßnahmen bis zur Eröffnung unserer vereinseigenen Kegelsportanlage zuständig war.

Frage:
Seit wann sind Sie 1. Vorsitzender im KSV und was sind Ihre Schwerpunkte?

Antwort:
1. Vorsitzender bin ich seit Frühjahr 2002 und mein Bestreben ging immer in Richtung nachhaltiger Zukunftssicherung des Vereins. Am Anfang lag der Schwerpunkt klar im Bau, hier ging es um ordnerweise Papier wegen Zuschüssen, Finanzierungs- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Bauplanung, Ausschreibungen der einzelnen Gewerke, Organisation der Eigenleistungen usw. Für unseren doch eher kleinen Verein war das mit einem Investitionsvolumen in Höhe von über 800.000 Euro -inklusive immenser Eigenleistungen der Mitglieder- schon eine Mammutprojekt. Mit der Eröffnung unserer Kegelsportanlage 2003 war ein entscheidender Schritt zur wirtschaftlichen Zukunftssicherung des Vereins getan und wir konnten uns auf die Bereiche Jugendarbeit, Mitgliederpflege und Öffentlichkeitsarbeit wieder stärker konzentrieren.

Frage:
Gemeinsam mit Ihrer Frau Bettina, von der ich gesondert berichten werde, haben Sie ein breites Angebot für Jugendliche erarbeitet. Mit welchem Grundgedanken verfolgen Sie Ihre Ziele und wie haben Sie die Jugendlichen erreicht?

Antwort:
Der Grundgedanke ergibt sich aus dem bereits erwähnten Ziel: nachhaltige Zukunftssicherung für den Verein. Hier ist der Vereinsnachwuchs neben der wirtschaftlichen Kostendeckung der entscheidende Faktor. Als meine Frau sich für die Jugendarbeit zur Verfügung stellte und dann auch von unseren Jugendlichen zur Jugendwartin gewählt wurde war der Bau abgeschlossen und ich nahm mir die hierdurch frei gewordene Zeit um sie zu unterstützen. Da gerade Jugendarbeit sehr zeitintensiv ist konnten und wollten wir diese Zeit wenigstens gemeinsam verbringen. Wir bzw. insbesondere meine Frau erreicht die Jugendlichen letztendlich durch ihre Art mit ihnen umzugehen. Es macht ihnen in der Gruppe einfach Spaß -meistens  (und hierbei schmunzelt Jochen)- und der Ein oder Andere bringt mal einen Bruder, eine Schwester oder eine/n Freund/in mit, die dann genauso schnell integriert werden wie ganz Neue, die durch Projekte wie Schul-AG oder Ferienpassaktionen zu den KSV-Kids kommen.

Frage:
Ihre Kinder sind ebenfalls gute Sportkegler. Werden diese nach Ihrer Ansicht von dem vorbildlichen Einsatz ihrer Eltern begeistert oder werden die Eltern von den Erfolgen ihrer Kinder angespornt?

Antwort:
Sicherlich beides! Dass Umwelt prägt ist spätestens seit Konrad Lorenz nichts Neues. Unsere Jungs sind sicherlich durch mich zum Kegeln gekommen. Das hat aber mehr mit der Anwesenheit von klein auf bei Vereinsaktivitäten oder auf der Kegelbahn zu tun und weniger mit „vorbildlichem Einsatz“ meinerseits. Im Gegenteil: ich habe von meinen Kindern und von meiner Frau berechtigterweise auch ab und zu ein „Musst Du schon wieder…“ zu hören bekommen.

Frage:
Wie bereits angesprochen haben Sie in diesem Jahr die „Mission Olympic“ und den „Tag des Kegelsports“ in Wetzlar durchgeführt.

Wie sind diese Veranstaltungen gelaufen, welche Erfahrung konnten Sie sammeln und welche Anmerkungen möchten Sie dazu machen?

Antwort:
Wetzlar war in diesem Jahr Finalstadt bei der Mission Olympic und das Finale war für ein Wochenende Anfang September und damit im Monat des Kegelsports terminiert. Da lag es doch nahe zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und nicht nur für Wetzlar die sogenannten „Bewegungspunkte“ zu sammeln sondern auch auf unsere Sportart über diesen medienwirksamen Wettbewerb aufmerksam zu machen. Wir haben dazu einen Schulklassenwettbewerb und ein Jedermann/frau-Turnier organisiert und beide Aktionen zumindest über die Siegerehrungen mit unserem „Tag des Kegelsports“ am 5. September 2010 verbunden. Die Arbeit und die Zeit hat sich meiner Ansicht nach gelohnt: wir hatten 34 angemeldete Teams bei den Schulklassen und 183 Starts beim Turnier am Tag des Kegelsports. Wesentlich ist neben sorgfältiger Planung meines Erachtens eine frühzeitige und wiederholte Information der Zielgruppen, so haben wir zum Beispiel bereits vor den Sommerferien über das staatliche Schulamt und später noch selbst alle Schulen in und um Wetzlar auf unseren Wettbewerb aufmerksam gemacht.

Frage:
Auch beim Hessentag waren Sie mit Bettina und KSV-Jugendlichen im Einsatz.

Halten Sie derartige Veranstaltungen für wichtig? War die Beachtung des Kegelsports bei den Besuchern des Hessentages von Bedeutung? Welche Verbesserungsvorschläge sollten aus Ihrer Sicht erfolgen?

Antwort:
Öffentlichkeitsarbeit ist immer wichtig, denn wir wollen doch, dass Kegeln - wie wir es betreiben - als Leistungssportart wahrgenommen wird. Dazu gehört ein stetiger, professioneller und sportlicher Auftritt im Sinne einer Corporate Identity. Verbesserungswürdig zum Hessentag wäre aus meiner Sicht lediglich die Dauer der Präsentation: in Stadtallendorf stand die Kegelbahn in diesem Jahr nur am ersten Wochenende, hier sollte man diese Veranstaltung als Ganzes nutzen. Das muss natürlich in akzeptablem finanziellen Rahmen erfolgen können und an dieser Stelle möchte ich dem HKBV-Vorstand nicht reinreden. Von der Öffentlichkeitswirkung bin ich jedoch überzeugt, deshalb habe ich auch schon erste Gespräche über eine gemeinsame Präsentation mit Hartmut Braun (Bowling in Wetzlar) und der HKBV-Geschäftsstelle für den Hessentag 2012 in Wetzlar in Angriff genommen.

Frage:
Welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, um den Kegelsport in der Breite von dem Image des „Schoppenklubs“ wegzubringen?

Antwort:
Wie gesagt: stetige, professionelle und leistungssportlich orientierte Präsentation auf allen Ebenen ohne den Geselligkeitsaspekt eines jeden Sportvereins oder einer Mannschaft zu leugnen. Die möglichen Maßnahmen alle darzustellen sprengt hier den Rahmen. Aber der wesentliche Teil der öffentlichen Meinung wird im täglichen Miteinander auf lokaler Ebene geprägt. Die Verbände auf Bundes- und Landesebene können viel medienwirksam versuchen, aber Sportkegeln wird meines Erachtens nie den Stellenwert von Fußball, Boxen, Formel 1 oder Tennis erreichen. Die Ideensammlung und die gesamte Kampagne „Kegeln und Bowling - umwerfende Sportarten“ sind sicherlich ein guter Anfang, aber gefordert sind doch unverändert hauptsächlich die Aktiven in den Vereinen. Da die finanziellen Mittel aber mittlerweile in vielen kleinen Vereinen im Vergleich zu den Verbänden noch stärker beschränkt sind, fehlt auf der lokalen Ebene eventuell manchmal das Engagement aber meistens das Geld. Ich kann die Bestellzahlen der Kampagnematerialien nicht beurteilen, habe aber auch auf anderen Kegelbahnanlagen noch nicht viele Kampagneblätter gesehen, wir selbst haben auch keine bestellt. Ich könnte mir daher gut vorstellen, dass etwas weniger Hochglanz aber dafür eine kostenlose Verteilung der DKB-Kampagneflyer an die Vereine mehr Flächendeckung gebracht hätte.

Frage:
Jochen, Sie wissen sicher, dass ich zum Abschluss eines Interviews immer die Frage stelle, was Sie persönlich als Ihre Stärke ansehen und was Ihre eher etwas schwächere Seite ist?

Antwort:
Das sollen andere beurteilen, ich stehe Lob und Kritik aufgeschlossen gegenüber und Sie wissen, wo man mich findet...

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Jochen, ich bedanke mich für das aufgeschlossene und interessante Interview. Für Ihre weitere Aufgabe als 1. Vorsitzender eines der vorbildlichsten Vereine in Hessen wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg mit einem aufrichtigen „Gut Holz“





Interview des Monats Juli mit Helmut Listmann vom KSV Wetzlar




Helmut Listmann

Gotthard Fürstenfelder, heute im Gespräch mit Helmut Listmann 1. Sportwart vom KSV Wetzlar.

Frage:
Hallo Helmut, der KSV Wetzlar ist das Aushängeschild für den Kegelsport. Als 1. Sportwart ist Ihr Aufgabengebiet bei der Größe Ihres Vereins kaum zu überschauen. Jugendliche, Erwachsene, „Deutsche Meister“, Kadertraining und vieles mehr hat Ihr Verein zu koordinieren.

Gerade deshalb möchte ich den Lesern des Interviews gerne einen Überblick Ihrer Tätigkeit und Ihres Aufgabenumfanges geben.

Wieviele Mitglieder hat der KSV Wetzlar?

Antwort:
Im KSV Wetzlar sind derzeit ca. 200 Mitglieder registriert.
Für den Spielbetrieb bei den Herren stehen mir 36 Kegler zur Verfügung.
Unsere Mädels können derzeit auf 10 aktive Spielerinnen zählen.
Die spielberechtigten Jugendlichen sind mit eingerechnet.

Frage:
Sie sind ja selbst Sportkegler. Wann haben Sie mit diesem Sport angefangen und wie ist Ihr bisheriger Werdegang?

Antwort:
Ich habe 1980 mit dem Sportkegeln beim KSV Wetzlar angefangen und bin, wie du siehst, dort „hängen“ geblieben. Ich habe in der 2. Mannschaft angefangen und später in der Ersten Hessen- und Bundesliga gespielt.

Frage:
Wie kamen Sie zu der verantwortungsvollen Position des 1. Sportwartes und worin sehen Sie Ihre größte Herausforderung?

Antwort:
Man könnte ja sagen, wie es so oft in vielen Vereinen geschieht (nicht nur Kegelsportvereine), keiner wollte und ich hatte die Position gleich. Aber nein, so war das nicht. Bevor ich dem KSV Wetzlar beigetreten bin, habe ich schon in anderen Vereinen und Institutionen Verantwortung getragen. Als ich, wie schon oben erwähnt 1980 eingetreten bin, sah ich, dass sich dieser Verein sportlich und gesellschaftlich auf einem guten Weg befindet. Eine schon damals sehr erfolgreiche Jugendarbeit unter dem leider schon viel zu früh verstorbenen Karl-Heinz Lehnhausen und die sich stetig abzeichnende sportlich aufsteigenden Tendenz unter der Führung unseres Vereinsgründers Gerhard Mutter bestärkte mein Vorhaben mich nicht nur sportlich einzubringen, sondern auch in der Vereinsarbeit dem KSV Wetzlar zur Verfügung zu stehen. Leider ist diese Einsicht nicht allzu verbreitet unter Vereinsmitgliedern. Aber konsequente und gute Vorstandsarbeit, gerade in einem Verein wie dem KSV mit seiner eigenen, in völliger Eigenregie betriebenen Sportanlage, schafft erst die Voraussetzungen für ein gutes, „gesundes“ ´Vereinsleben. Nach dem Motto: “In einer Gemeinschaft Wirken und Mitwirken eben zum Wohle dieser Gemeinschaft“. Ich will hier nicht ins Pathetische abgleiten, sonder nur einmal darauf hinweisen, dass „Verein“ nicht immer nur Spaß, Geselligkeit, Gemeinsamkeit und sportliche Betätigung bedeutet, sondern auch Arbeit.

Zwischenzeitlich war ich auch als Schriftführer aktiv im Vorstand. Die Arbeit als 1. Sportwart ist besonders in der Spielrunde etwas stressig, da ich mich den sportlichen Zielen eines Sportvereins verpflichtet fühle und nicht den taktischen Spielchen wie, wer spielt wo gute Zahlen und wie kann ich Mannschaften in unteren Klassen verstärken um Punkte einzufahren.

Bei sechs Herrenmannschaften mit zumeist unterschiedlichen Spielterminen und Spieltagen und dem doch zeitweise enormen Personalausfall durch Arbeit, Urlaub oder Krankheit/Verletzung ist es für mich nicht einfach bei den Aufstellungen immer die vermeintlich stärksten Kegler in der höchsten Mannschaft einzusetzen, egal ob der Gegner nun als „Kanonenfutter“ oder unschlagbar angesehen wird. Weitere Herausforderungen sehe ich in dem Vorhaben unsere Nachwuchskegler richtig zu integrieren und nicht zu „verheizen“ und mit der 1. Mannschaft in nächster Zukunft die Bundesliga zu erreichen.

Frage:
Wie ist die Aufteilung der aktiven Mitglieder in Jugendliche, Damen und Herren?

Antwort:
Das habe ich schon oben eingangs beantwortet. Natürlich haben wir auch noch Reserven wenn es einmal ganz eng wird. So habe ich noch 4-5 Kegler im Hintergrund, die nicht regelmäßig spielen wollen, aber im Notfall doch aktiviert werden können.

Für die Ligenspiele spielberechtigte Jugendliche, also U18, haben wir derzeit 10 und im U14 Bereich sind es 5 Jugendliche.

Frage:
Der 1. Vorsitzende des KSV Wetzlar, Sportkamerad Jochen Janson, hat sich auf der Sektionsversammlung deutlich dafür ausgesprochen, die Schulen anzusprechen und sich dort für eine Schul-AG einzusetzen um gerade den Jugendbereich zu stärken. Können Sie diesen Aufruf unterstützen und welche weiteren Möglichkeiten zur Gewinnung von Jugendlichen empfehlen Sie?

Antwort:
Ganz klar finde ich es gut solche Schul-AG´s Kegeln anzustreben. Dass sich hieraus etwas entwickeln kann, sieht man am Beispiel einer unserer Nachwuchskegler, der als Gastspieler beim SKC Waldbrunn 2010 dritter bei den Deutschen Meisterschaften geworden ist.

Sicherlich gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten Jugendliche anzusprechen und mit dem Kegeln in Verbindung zu bringen. Aber die Vereine selbst sind zunächst einmal gefordert die Voraussetzungen hierfür zu schaffen. Neben genügend qualifizierten Betreuern muss die Jugendarbeit auch mit finanziellen und materiellen Beigaben unterstützt werden. Der zeitliche Aufwand, das zur Verfügung stellen von Bahnkapazitäten und den Eltern das Gefühl zu vermitteln, dass ihr Kind in diesem Verein gut aufgehoben ist und gut betreut wird, halte ich für weitere wesentliche Voraussetzungen Kegelnachwuchs zu gewinnen.

Frage:
In der letzten Sektionsversammlung haben die Mitglieder mit einer knappen Mehrheit von 60 zu 56 Stimmen dafür gestimmt, ab der Saison 2010/2011 bis zur Bezirksoberliga mit 4er Mannschaften zu spielen. Ein wahrlich knappes Ergebnis. Wie denken Sie darüber?

Antwort:
Über das knappe Ergebnis oder über die Entscheidung? Aber Spaß bei Seite. Schlicht und ergreifend gesagt halte ich diese Entscheidung falsch. Wie ein solcher Antrag eine Mehrheit finden konnte kann ich aus sportlicher Sicht nicht nachvollziehen. Ich konnte leider nicht anwesend sein und war ziemlich entsetzt als ich davon hörte. Hierdurch wird das integrieren von Jugendlichen in Mannschaften erschwert und der Personalwechsel wird teilweise enorm schwierig. Gerade bei Vereinen, die viele Mannschaften am Start haben.

Der Hintergrund des Antrages ist doch wie schon seit Jahren immer der Gleiche: Es gibt Vereine, die keine sechs aktiven Kegler für den Aufstieg haben, aber doch auch gerne mal „oben“ mitspielen möchten. Nachgeschobene Argumente wie Fahrtkosten, Zeit und Umwelteinflüsse sind hier nur Nebenkriegsschauplätze. Deshalb gilt die Devise, anstatt Kegler/Mitglieder zu generieren, Satzungsänderungen zu generieren.

Ich bin sicher, bald kommt der Antrag die Regionalliga mit 4 Spielern spielen zu lassen.

Frage:
Die Präsentation auf dem Hessentag durch den KSV Wetzlar war ausgezeichnet. Nun steht ja als weitere Veranstaltung am 9.9.2010 der Tag des Kegelsports an. Wird sich der KSV Wetzlar wieder an dieser Promotionsaktion beteiligen?

Antwort:
Natürlich wird sich der KSV Wetzlar hier einbringen. Wir haben dafür Aktionen schon am Wochenende vorher eingeplant. Im Rahmen der Mission Olympic, Wetzlar ist hier Finalstadt, findet am 3.9.2010 ein Schulwettbewerb im Kegeln unter dem Motto „Klasse(n)spiele zur Mission Olympic“ statt. Hier bilden 4 Schüler/innen einer Klasse eine Mannschaft und spielen auf jeder Bahn 10 Wurf in die Vollen, also 40 Wurf. Gespielt wird in U14 und U18 Mannschaften. Für die Sieger sind Pokale und Sachpreise ausgelobt.

Und am 5.9.2010 ist ein Jedermann/Frau kegeln im Rahmen der vorher genannten Mission Olympic geplant. Dazu stellt der Verein erfahrene Kegler/innen und Übungsleiter zur Anleitung bereit.

Wenn du den Hessentag angesprochen hast, kann ich schon einmal sagen, dass der Hessentag 2012 in Wetzlar stattfindet und wir hier auch wieder verstärkt aktiv sein werden.

Frage:
Um das Sportkegeln interessanter zu gestalten, wurden Neuerungen wie der „Sprint“ eingeführt. Ist für Sie der Sprint ein Zukunftsgarant für den Kegelsport?

Was würden Sie zusätzlich vorschlagen?

Antwort:
Meines Erachtens ist der Sprintwettbewerb nicht das Wundermittel um dem Kegelsport das Überleben zu sichern. Höchsten eine Facette oder ein Versuch den Kegelsport durch den direkten Kampf Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau etwas attraktiver zu machen. Jedoch frage ich mich, ob da 2x10 Wurf das richtige Spielsystem ist. Es erinnert mich immer so ein bisschen an meine Zeit beim Hobbykegeln, wo mit 10 Wurf in die Vollen der Abendmeister ermittelt wurde. Richtigerweise wird bei Meisterschaften oder größeren Turnieren der Sprint in Gruppen mit mindestens 4 Spielern in der Gruppe ausgetragen. So kommt es wenigstens zu mindestens 60 Wurf für jeden und der sportliche Aspekt ist wieder etwas zu erkennen. Problematisch für mich dabei ist, dass das Verletzungsrisiko durch die zwischenzeitlichen Pausen steigt. Auch verlangt dieser Wettbewerb einen hohen organisatorischen Aufwand. Wenn auf 4 Bahnen gleichzeitig Sprint gespielt wird und die Veranstaltung nicht permanent unterbrochen werden soll, kommt die Spielleitung gehörig ins schwitzen. Ich weiß wovon ich rede, da ich erst kürzlich einen solchen Wettbewerb durchgeführt habe. Trotzdem sehe ich auch im Sprint eine der Möglichkeiten die Zukunft des Kegelsports zu sichern. Bei Jugendlichen, so habe ich den Eindruck, kommt das ganz gut an. Wenn dann auch noch etwas gewürzt wird mit z. B. „Lucky Loser“ oder „Jokerlos“ ist die Jugend gut dabei. Womit wir wieder am alles entscheidenden Punkt angekommen sind; Jugendarbeit, Jugendarbeit und nochmals Jugendarbeit.

Nicht zu vergessen, dass auch eine gute Öffentlichkeitsarbeit durch die Vereine von großer Bedeutung ist.

Frage:
Helmut, es ist Ihnen sicher bekannt, dass ich zum Abschluss eines Interviews immer die Frage stelle, was Sie persönlich als Ihre sportliche Stärke ansehen und was Ihre eher etwas schwächere Seite ist?

Antwort:
Nun immer nach dem Motto; „Wer´s nicht versucht, hat schon verloren“. Leider habe ich mir selbst das Kegeln durch learning by doing und Anschauungsunterricht beibringen müssen. Hatte also nie einen richtigen Trainer. So sind doch viele Eigenheiten in die Bewegungsabläufe eingeflossen, die man  im „zarten Alter“ von 60 Jahren auch nicht mehr ablegen kann oder will.

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Helmut, vielen Dank für das aufgeschlossene und interessante Interview. Für Ihre verantwortungsvolle Aufgabe als 1. Sportwart wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und stets eine glückliche Hand bei allen Entscheidungen die Sie treffen müssen.