Luisa Wagner und Julia Weiser holen Bronze bei der Kegel-Weltmeisterschaft in Brasilien


Gotthard Fürstenfelder, heute im Gespräch mit Luisa Wagner und Julia Weiser (U23), beide vom KC 87 Wieseck nach der Kegel-Weltmeisterschaft in Brasilien.
Frage
Luisa und Julia, am 22. Juli 2010 im weiblichen U23 Paarkampf bei einer Weltmeisterschaft zu stehen ist schon etwas Besonderes, dann aber noch die Bronzemedaille zu gewinnen ist wohl das Höchste, herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung.
Wie habt ihr das Ergebnis „Bronze bei der Weltmeisterschaft“ empfunden und welche Gedanken haben Euch bei diesem nervenaufreibenden Wettkampf bewegt?
Antwort
Luisa Wagner:
Natürlich waren wir sehr aufgeregt und gespannt wie unser Durchgang sein wird. Im Vorlauf war es am Anfang nicht ganz so gut, aber wir haben nicht aufgegeben, sondern gekämpft bis zum Ende. So haben wir auf der letzten Bahn sogar noch einen Platz aufholen können. Nach diesem Block stand fest, dass wir im Endlauf sind.
Im Endlauf lief es leider andersrum. Anfangs waren wir gut dabei und hatten nach den ersten 3 Bahnen den 2. Platz sicher. Doch auf der letzten Bahn hatten wir dann ziemlich Pech und sind somit auf den 3. Platz gerutscht. Einerseits war es ziemlich ärgerlich, aber anderseits ist natürlich der 3. Platz bei einer WM in Brasilien trotzdem super.
Julia Weiser:
Schon der Vorlauf war extrem spannend. Im Endlauf ging die Spannung dann weiter, sodass wir fast den 2. Platz bekommen hätten. Durch viel Pech (2 Mal das Bild Ecke und Hinterholz) sind wir dann auf den 3. Platz zurück gefallen, sodass ich zunächst erstmal sogar enttäuscht war. Später hab ich mich aber dann doch freuen können und war richtig happy mit einer Medaille nach Hause zu kommen.
Frage
Erst während der Weltmeisterschaft haben wir erfahren, wie stark die brasilianischen Keglerinnen und Kegler sind. War diese Tatsache auch für Euch eine Überraschung?
Antwort
Julia:
Nein nicht unbedingt, da wir zuvor von unseren Nationaltrainern darauf vorbereitet wurden. Allerdings, dass sie sooo stark sein würden und wirklich fast alle Goldmedaillen abräumen würden habe ich auch nicht erwartet.
Luisa:
Also eine Überraschung war es nicht wirklich, da wir von Anfang an wussten, dass in Brasilien andere Bahnverhältnisse herrschen als bei uns und dass die Brasilianer diese natürlich beherrschen und gewohnt sind; im Gegensatz zu uns.
Frage
Wie waren die Bahnen in Brasilien, schwer und/oder normal zu spielen?
Antwort
Luisa:
Die Bahnen sahen aus, als wären mehrere Baumstämme aneinander gelegt worden und es gab keine Pudelrinne, sondern rechts und links von der Bahn war lediglich Teppich.
Eine Neun zu werfen war sehr schwer. Wir waren eigentlich mit einer schönen Sieben immer zufrieden. Bei den Brasilianern sah das aber viel einfacher aus…
Julia:
Von normal kann gar keine Rede sein. Die Bahnen bestanden aus einem großen Stück Holz, sodass man die Abgrenzungen von den einzelnen Brettchen wie bei uns nicht sehen konnte. Außerdem existierten keine Pudelrinnen. Bei einer Abkugel fielen die Kugeln einfach auf den Teppich. Der Kugelverlauf war sehr schwer. Die Schere war da, aber man musste sehr, sehr genau spielen um mal ne neun zu treffen. Der Einschlag war extrem schwerfällig. Nur schien bei den Brasilianern irgendwie alles nachzufallen…. Es war auch nicht unüblich, dass aus einer dicken 7 noch ein Kranz wurde. Auch sind die Kugeln bei uns extrem gehüpft. Fast wie ein Flummi.
Frage
Das Temperament der Brasilianer mit ihren Sambarhythmen hat ja alle Anwesenden zum mitmachen angeregt, ist dieser Funke auch auf Euch übergesprungen?
Antwort
Luisa:
Anfangs auf jeden Fall. Wir haben mit ihnen zusammen angefeuert, getanzt, gesungen etc. aber nachdem wir erfahren haben, was sie für Sprüche auf der Bahn bringen hat sich das erstmal geändert.
Doch nachdem sie gemerkt haben dass wir damit nicht klar kommen, haben sie ihre Sprüche geändert und wir hatten eine tolle Abschlussfeier, wo wieder jeder mit jedem getanzt und gefeiert hat.
Julia:
Zunächst ja. Aber nach den ein oder anderen bösen Sprüchen beim Anfeuern und unserer Meinung nach auch nach dem ein oder anderen „Beschiss“ auf Seiten der Brasilianer konnten wir uns nicht mehr dafür begeistern.
Frage
Doch wieder zurück zum Wettkampf. Wie war die Organisation und der Spiele Ablauf aus Eurer Sicht?
Antwort
Julia:
Es war dort alles sehr chaotisch und unorganisiert. Kurzfristig wurden Wettkämpfe umgeschmissen. Der Schreibdienst und das holen der Kugeln war auch nicht optimal.
Luisa:
Also aus unserer Sicht war alles sehr unorganisiert und in Europa wäre das alles anders gelaufen. Aber das liegt wohl an der Mentalität der Brasilianer. Es ist sehr oft vorgekommen, dass die Kugeln hinten auf der Bahn liegen geblieben sind und geholt werden mussten. Doch bis dort ein Brasilianer nach vorne gelaufen ist, hat meist schon ein Spieler anderer Nation die Kugel geholt. Auch das richtige notieren der Ergebnisse oder werten der Fehlgassen von den brasilianischen Spielern lief nicht immer ganz glatt ab…
Frage
Welche Mannschaften haben Euch besonders überrascht?
Antwort
Luisa / Julia:
Vor allem Brasilien, da man von ihnen nicht gewohnt ist, dass sie so gut wie alle Goldmedaillen abräumen.
Frage
Nun aber ein wenig aus dem privaten Bereich. Wie war das Freizeitangebot und was habt ihr dabei unternommen?
Antwort
Luisa:
In Campo Bom wo die WM stattfand, hatten wir an sich kein großes Freizeitangebot, da wir abends alle sehr kaputt waren von dem langen Tag auf der Kegelbahn. Wir sind abends noch zusammen essen oder Kleinigkeiten einkaufen gegangen. Einmal waren wir zusammen in einer Schuhfabrik. In Rio sah das aber anders aus. Dort hatten wir ausschließlich Freizeit wo wir alleine oder in Gruppen die Stadt besichtigen, shoppen oder ans Meer gehen konnten. Außerdem wurden zwei Ausflüge unternommen. Dabei haben wir uns den Zuckerhut und die Jesus Statue angeschaut. Abends saßen immer alle gegenüber vom Hotel am Strand zusammen und haben den Tag ausklingen lassen.
Julia:
Während der Meisterschaft gab es eigentlich nicht viel drum herum außer Kegeln und shoppen gehen. In Rio dann aber gab es ein volles Freizeitprogramm. Wir waren beim Zuckerhut, bei der Jesus Statue und verschiedenen Stränden, beim Karnevalsmuseum und ansonsten Shopping, Strand und an der Strandbar.
Frage
Welche Städtereisen habt ihr gemeinschaftlich unternommen und was hat Euch am meisten beeindruckt?
Antwort
Julia:
Besonders beeindruckend waren die Bahnverhältnisse und der Ausblick vom Jesus aus über Rio.
Luisa:
Am meisten beeindruckt haben mich auf jeden Fall die Bahnverhältnisse von Brasilien und in Rio die Armenviertel die, wie wir später erfahren haben, noch nicht einmal die echten Armenviertel waren…
Frage:
Wie war der Empfang bei Eurer Rückkehr nach Wieseck?
Antwort
Julia:
Wir wurden bei mir im Garten von Freunden und Familie mit einer Willkommensfeier überrascht. Sogar Reporter von der Zeitung waren da. Nachdem wir kurz von Brasilien berichtet haben, waren wir dann doch froh ins Bett zukommen.
Luisa:
Wir wurden von unseren Freunden und Mannschaftskameraden am Flughafen in Frankfurt abgeholt und von Keglern und Familie bei Julia im Garten empfangen. Dort war auch die Presse wo wir direkt ein Interview gegeben haben. Anschließend saßen wir noch zusammen und haben schon grob über unsere Eindrücke und Erlebnisse von Brasilien berichtet.
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Abschließend möchte ich mich bei Euch für das Interview des Monats September mit unserem Keglergruß „Gut Holz“ recht herzlich bedanken und Euch auch für die Zukunft viel Erfolg wünschen.

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Interview des Monats August 2010 mit Udo Riemenschneider

Gotthard Fürstenfelder heute im Gespräch mit Udo Riemenschneider, neuer Fachwart Bohle.
Frage:
Hallo Udo, nachdem Horst Schmidt aus gesundheitlichen Gründen das Amt des Fachwarts Bohle nicht mehr ausführen konnte, haben Sie diese vielseitige Position übernommen.
Haben Sie bereits Erfahrung auf diesem Gebiet?
Antwort:
Direkt noch nicht, bin aber seit nunmehr 6 Jahren Bezirkssportwart im Bezirk Nord der Sektion Schere. Außerdem spiele ich seit einigen Jahren sowohl bei den Hessischen Meisterschaften Bohle als auch Dreibahnen mit und habe da schon das eine oder andere mitbekommen. Außerdem kann ich auf die Unterstützung von Helmut Wanisch (Fachwart Bohle, KKV) und Werner Schumann (Fachwart Dreibahnen, KKV) sowie meines Vereinskameraden Andreas Wiegand zählen.
Dies dürfte zumindest in der Anfangszeit doch recht hilfreich sein.
Frage:
Mit welchem Konzept werden Sie beginnen?
Antwort:
Ich werde das erfolgreiche Konzept von Horst Schmidt übernehmen. Allzu viel Spielraum für Änderungen würde auch nicht bleiben, da sich die Wettbewerbe bei den Hessischen Meisterschaften der beiden Disziplinen auf ein Wochenende beschränken.
Frage:
Hessen stehen ja leider keine Bohlebahnen für Meisterschaften zur Verfügung. Werden auch Sie nach Niedersachsen ausweichen oder haben Sie andere Pläne?
Antwort:
Nachdem vor einigen Jahren die Bohle- und Classicbahnen im Kegelzentrum Kassel entfernt wurden, ist es für die beiden Spielarten in Hessen leider etwas schwieriger geworden.
So bleibt uns nur der Weg nach Niedersachsen, wo mit Braunschweig und Wolfsburg die räumlich nächsten Anlagen sind. Daher haben wir auch keine große Möglichkeit anderweitig auszuweichen. Außerdem sind „Dreibahnen-Anlagen“ leider nicht reichlich angesiedelt.
Zu der Bohleanlage in Bovenden (bei Göttingen) sehe ich derzeit überhaupt keine Alternative.
Frage:
Das „Dreibahnenspiel“ nahm bei Horst Schmidt einen besonderen Platz ein. Werden Sie diese Disziplin weiter fortsetzen?
Antwort:
Ja, in jedem Fall.
Es ist doch immer wieder schön, wenn sich die „Kegelfamilie“ einmal im Jahr zu den Meisterschaften trifft. Dies ist ein besonderes Highlight eines Jahres, denn hier verstehen sich alle gut und die Meisterschaften haben fast schon einen familiären Charakter.
Aber trotzdem wird ehrgeizig um Medaillen und Platzierungen gekämpft.
Außerdem ist es eine Besonderheit in einem Wettkampf mit Bohle, Schere und Classic gleich drei unterschiedliche Bahnarten zu spielen und die jeweilige Umstellung im Wettkampf zu meistern.
Frage:
Wir kennen Sie in erster Linie als Scherekegler, sind Sie selbst auch Bohlekegler und welche Erfahrung haben Sie in dieser Disziplin?
Antwort:
Wie bereits gesagt spiele ich schon seit einigen Jahren die Bohle- und Dreibahnenmeisterschaften mit sehr viel Freude. Auf Bohlebahnen konnte ich mich dabei bereits 2 Mal für die die Deutschen Meisterschaften qualifizieren.
Frage:
Im Bereich „Kegeln“ versucht man die Spiele durch neue Disziplinen interessanter zu gestalten.
Denken Sie darüber auch beim Bohlekegeln nach und wie weit sind Ihre Pläne bereits konkret?
Antwort:
Hierüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Aber für die Meisterschaften sind hier ja durch die entsprechenden Sportordnungen klare Vorgaben zu berücksichtigen. Ligenspiele finden mangels Masse und Bahnangebot nicht statt.
Frage:
Hessen ist ja auf dem Gebiet „Bohle“ etwas notleidend. Was werden Sie tun, um diese Situation zu verbessern und mehr Kegler, ganz besonders aber Jugendliche zu gewinnen?
Antwort:
Die meisten Spieler bei den Meisterschaften kommen aus dem Bereich Schere. Da hier die Problematik Jugend sehr schwierig ist, dürfte dies für die Sektion Bohle noch wesentlich schwieriger sein, da weder Ligenspiele ausgetragen werden und auch die erforderlichen Bahnen leider nicht zur Verfügung stehen.
Frage:
Udo, Sie wissen ja, dass ich als Abschluss eines Interviews immer die Frage stelle, was Sie persönlich als Ihre sportliche Stärke ansehen und was Ihre eher etwas schwächere Seite ist?
Antwort:
Meine Stärke liegt hier sicherlich in der ehrenamtlichen Tätigkeit. Seit 34 Jahren stelle ich hier meine Erfahrungen in den Dienst des Sports; in den verschiedensten Vereinen und Positionen.
Als eine kleine Schwäche würde ich sehen, dass ich manchmal nicht gleich zu „Potte“ komme.
Auf rein sportlichem Sektor sehe ich mich als durchschnittlichen Kegler. Aber mir macht das Kegeln sehr viel Freude und ich spiele auch alle 4 Bahnarten (Schere, Bohle, Classic und Bowling) sehr gern.
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Udo, vielen Dank für das interessante und aufgeschlossene Interview. Für Ihre verantwortungsvolle Aufgabe als „Fachwart Bohle“ wünsche ich Ihnen einen guten Start und natürlich viel Erfolg, so wie stets eine glückliche Hand bei allen Entscheidungen die Sie treffen müssen.

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Übersicht Interview des Monats 2010
