Gotthard Fürstenfelder, heute im Gespräch mit der Bezirksjugendwartin Conny Gebauer von M 85 Mittelhessen.
Frage:
Hallo Conny, ich habe Sie als hervorragende Sportlerin und ebenso als beliebte Bezirksjugendwartin im Bezirk Süd/West kennengelernt. Beides hat mich begeistert, denn hohes Leistungsniveau und vertrauensvolle Führung von Jugendlichen sind eine ganz besondere Begabung und darüber möchte ich heute mit Ihnen reden.
Wie und wann sind Sie zum Kegeln gekommen?
Antwort:
Ich habe 1993 in meinem Heimatklub GH Allendorf/Lda. die ersten Kegelversuche gestartet. Den Hauptanteil, dass ich mit dem Kegeln begonnen habe, hat mein Bruder Markus. Ich wollte ihm nacheifern und in seine Fußstapfen treten. Er war es auch, der mir das Kegeln beigebracht hat; das ist ihm durchaus gelungen. Bereits zwei Jahre später konnte ich meinen ersten Hessenmeistertitel gewinnen. Inzwischen bin ich A-Schiedsrichter, Vorsitzende bei GH Allendorf, Sportwartin bei KSG Mittelhessen und Damenwartin bei M85.
Frage:
Was waren Ihre sportlich größten Erfolge und waren das auch Ihre schönsten Erfolge?
Antwort:
Alle erreichten Treppchen-Plätze waren ein mehr oder minder großer Erfolg, gerade im Jugendbereich. Um meine drei größten sportlichen Erfolge zu nennen: Dies waren der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2000 in Nordhorn (A-Jugend bzw. U18w). Der Doppelweltmeister in 2002 in Luxemburg sowie der Aufstieg von M85 Mittelhessen in die Damen-Bundesliga im Jahre 2006 gehören ebenfalls dazu. Alle drei haben für sich einen besonderen Stellenwert. In Nordhorn konnte ich auf der letzten Bahn (225 LP) das Ruder nochmals rumreißen, womit keiner mehr gerechnet hatte, ich selbst am wenigsten und mir den Titel sichern. Wenn ich heute noch darüber nachdenke, bekomme ich noch immer ein wenig Gänsehaut. In Luxemburg habe ich mit meiner Partnerin Angela Ball (KSC Lebach/Saarland) für alle überraschend den Titel geholt. Auch deswegen habe ich mit Angela auch heute noch ein tolles freundschaftliches Verhältnis, obwohl wir uns nur selten sehen, ohne den Titelgewinn im Mixed-Wettbewerb (mit Mike Mertsch / Bundesligaspieler aus Mülheim/Ruhr) schmälern zu wollen. Der Aufstieg mit den Damen von Mittelhessen war ebenso ein i-Tüpfelchen. Die Saison hat einfach nur Spaß gemacht, obwohl wir leider Gottes gleich wieder abgestiegen sind. Aber im März wollen wir es wieder versuchen und ich glaube unsere Chancen stehen gar nicht so schlecht. Nicht ganz vergessen zu erwähnen möchte ich den 2. Platz im PK Mixed 2008 in Trier. Bei den DM musste / durfte ich für meine schwangere Mannschaftskameradin Ilona Mann einspringen. Bei den 3 Durchgängen habe ich alle emotionalen Zustände erlebt; nach den Deutschen war ich dementsprechend „platt“.
Frage:
Wie kamen Sie zu der verantwortungsvollen Position der Bezirksjugendwartin?
Antwort:
Der damalige Bezirksjugendwart Thomas Henkelmann stellte sein Amt nach den Bezirksjugendmeisterschaften 2004 zur Verfügung. Im Vorfeld wurde bereits an mich herangetreten, so in der Art „Du könntest das doch eigentlich machen“. Naja, nach einigen Überlegungen habe ich dann gesagt, ich mache es. In 2005 wurde ich dann offiziell gewählt. Seitdem habe ich den Posten inne und denke, dass ich den auch nicht so schnell los werde.
Frage:
Welche Aufgaben kommen da im Einzelnen auf Sie zu?
Antwort:
Im letzten Quartal jeden Jahres versende ich die Meldebogen, wenn diese dann wieder zurückkommen beginnt die eigentliche Arbeit. Erstellung des Zeitplanes für die BJM, evtl. Planung von Qualifikationen, Besprechung mit den ausrichtenden Vereinen. Abhaltung des Bezirksjugendtages. Die Durchführung der BJM obliegt dann den ausrichtenden Vereinen, aber dort bin ich natürlich auch vor Ort um u. a. die Siegerehrungen vorzunehmen. Nach der BJM muß ich dann relativ zeitnah dem Sektionsjugendwart (Bernd Wahl) die Liste der Teilnehmer für die Hessischen Jugendmeisterschaften durchgeben. Danach ist eigentlich alles getan. Im Grunde genommen liegt die Hauptarbeit in den Monaten Januar bis hin zur BJM (meist Mitte März). Ich lasse mich natürlich auch auf der HJM und DJM sehen, soweit es mir möglich ist. Gerade da bekomme ich noch mehr Kontakt zu den Jugendlichen und ihren Trainern/Betreuern. Ich denke, dass ich mit allen (Jugendlichen und Betreuern) gut auskomme, das liegt mit Sicherheit daran, dass ich noch jung bin und ich mit meiner relativ lockeren Art einen guten Draht zu den Jugendlichen habe. Ich habe natürlich für evtl. Verbesserungsvorschläge immer ein offenes Ohr.
Frage:
Im Jugendbereich ist die Mitgliederentwicklung nicht besonders rosig. Unser Kegelsport hat von Jahr zu Jahr weniger Jugendliche. Was ist nach Ihrer Ansicht die Ursache für diese negative Entwicklung?
Antwort:
Es gibt mittlerweile sehr viele Angebote der Ortsvereine (meine Heimstadt Allendorf, ca. 5000 Einwohner mit Ortsteilen, hat bereits 51 Vereine), da wissen die Kinder und Jugendlichen gar nicht so recht was sie machen sollen. Dies ist aber nicht der einzige Grund; wir haben, wie ich finde, momentan eine „Null-Bock-Generation“, die lieber daheim vorm Fernseher oder PC hängen als sich sportlich zu betätigen.
Frage:
Welche Möglichkeiten sehen Sie, diesen Negativtrend ins Positive zu kehren und welche Unterstützung von den Vereinen erwarten Sie?
Antwort:
Man muß die Kinder und Jugendlichen gezielt ansprechen, ihnen allen voran klar machen, dass Kegeln ein Sport ist, da wir uns nach wie vor mit dem „Schoppekegeln-Image“ rumschlagen müssen. Was teilweise in den Vereinen schon Wirkung gezeigt hat, ist das Angebot der Schul-AG, hier als Beispiel der KV Sontra und der KSV Wetzlar genannt. Auch wir von GH Allendorf haben dies versucht, leider mit weniger Erfolg. Von den Vereinen muss ein klares Konzept geschaffen werden, wie man Jugendliche gewinnen kann und man darf nicht bei Misserfolg gleich das Handtuch werfen. Dass dies ein schwieriges Unterfangen ist, weiß ich nur zu gut.
Frage:
Sollten nach Ihrer Erfahrung Jugendliche mehr Mitspracherecht in der Sektion bekommen, um so die Verbindung zwischen den jungen Sportlern und den doch etwas älteren Vorständen auf ein vertrauensvolles Miteinander zu stellen?
Antwort:
Es gab in den 90er-Jahren einen Jugendsprecher, ob es den heute auch noch gibt, weiß ich gar nicht. Dieser hat versucht, die Ziele der Jugend zu vertreten. Wenn der Jugendsprecher seine bzw. die Standpunkte der anderen gut vertritt, ist zwischen den Generationen bestimmt schon viel gewonnen.
Frage:
Oft höre ich in Gesprächen die Aussage, es müsste sich im jetzigen Spielsystem etwas ändern, um es für Spieler und Zuschauer interessanter zu gestalten. Ist das auch Ihre Meinung und wenn ja, welche Vorschläge hätten Sie?
Antwort:
Einen Vorschlag gab es ja bereits, mit 2x 60 Wurf Mann gegen Mann. Wer gewinnt bekommt den Punkt. Dieses Spielsystem finde ich jedoch nicht gut, da hier u. a. das Verletzungsrisiko der Spieler zu groß ist und dadurch einige Kegler, die im Schichtdienst arbeiten, dann das Kegeln wohl ganz aufgeben müssen. Die Einführung der 120 Wurf verlangt von den Spielern mehr als es bei 100 oder 200 Wurf der Fall war. Meiner Meinung nach, ist das System für die Spieler schon interessanter. Ich habe zurzeit keine Idee, wie man das System ändern könnte, um das Kegeln medienwirksamer zu machen. Ich muss mich auch hier wiederholen, die Bevölkerung kann mit dem Kegeln an sich nicht viel anfangen, weil man meint das sei kein richtiger Sport. Würde man sich damit mal näher befassen, wie es u. a. eine meiner Arbeitskolleginnen getan hat (zum ersten Mal beim Sportkegeln zugesehen und begeistert davon), würden viele ihre Meinung mit Sicherheit ändern und ich glaube, dass dadurch schon einiges für mehr Zuschauerzuspruch getan wäre.
Frage:
Auch in diesem Jahr wird sich der HKBV beim Hessentag in Stadtallendorf, vom 29. bis 30 Mai, mit einem Stand und einer Freiluftkegelanlage vorstellen. Werden Sie die Vereine bitten die Gelegenheit zu nutzen und sich mit Erwachsenen und Jugendlichen den Besuchern des HKBV-Standes vorzustellen, um am Kegeln interessierte Gäste zum Probekegeln einzuladen?
Antwort:
Dies werde ich auf jeden Fall tun. Dass sich der Verband daran beteiligt, finde ich gut. Wenn nichts dazwischen kommt, werde ich bestimmt vor Ort sein.
Frage:
Es ist Ihnen sicher bekannt, dass ich als Abschluss eines Interviews immer die Frage stelle, was Sie persönlich als Ihre sportliche Stärke ansehen und was Ihre eher etwas schwächere Seite ist?
Antwort:
Ich bin eine Kämpfernatur, erst bei der letzten Kugel wird abgerechnet. Dies verlange ich aber auch von meinen Mitspielerinnen, die das auch wissen.
Meine Schwäche ist, nicht in sportlicher Hinsicht gemeint, ich kann ab und an ganz schön auf die Palme gehen und zickig werden, was viele bestimmt von mir noch nicht wussten.
--------------------
Conny, vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Interview. Für Ihre verantwortungsvolle Aufgabe bei der Arbeit mit Jugendlichen wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und als aktive Kegelsportlerin natürlich viel Holz.