10. September 2010
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![]() Michael Teschner |
Gotthard Fürstenfelder heute im Gespräch mit dem DSKB - Cheftrainer Michael Teschner.
Frage:
Michael, für die Leser von „Interview des Monats“ ist es natürlich spannend zu erfahren, wie Sie Cheftrainer des DSKB wurden?
Antwort:
Im Jahre 1993 wurde ich anlässlich eines internationalen Turniers von den Verantwortlichen der damaligen Sektion Schere angesprochen, ob ich für den Posten des Sektionstrainers zur Verfügung stehen würde. Die damalige Tätigkeit bezog sich auf alle Kaderspieler/-innen.
Mit der Einstellung weiterer Trainer (ab 1994) bezog sich das Tätigkeitsfeld auf die Bereiche der Herren und männl. Junioren (heute U 23). Erst mit der Verselbstständigung der Sektionen im DKB im Jahre 2001 hat sich die Bezeichnung auf Cheftrainer und damit auch das Tätigkeitsfeld geändert.
Frage:
Welche Aufgaben haben Sie zu bewältigen?
Antwort:
Die Aufgaben sind sehr mannigfaltig. Durch die Mitgliedschaft im Bundesausschuss für Leistungssport (BAL) des DKB, des Disziplinausschuss Leistungssport (DAL), im DSKB – Sportausschuss sowie als Vorsitzender des Trainerrates und seit diesem Jahr als Anti - Doping Beauftragter des DSKB kann ich mich über Langeweile nicht beklagen. Neben den praktischen Tätigkeiten als Trainer erfordern die administrativen Tätigkeiten einen großen zeitlichen Aufwand. Die Tätigkeiten im Einzelnen zu beschreiben, würde den Rahmen vermutlich sprengen. Im Groben: Zu meinem Aufgabengebiet gehören u.a. die Aufstellungen der Nationalmannschaften, die Planung und Organisation der Vorbereitungen auf die internationalen Meisterschaften einschl. der Analyse der Meisterschaft, die Sichtung von Sportlerinnen und Sportlern bei Ligenspielen, Lehrgängen und Meisterschaften, die Führung der entsprechenden Akten, die Erarbeitung von Trainingsplänen und die Anleitung und Kontrolle der vom DSKB eingesetzten Trainer, die Führung des kompletten Schriftverkehrs in Sachen Kaderangehörige sowie aller Dopingangelegenheiten und -maßnahmen.
Frage:
Was sind Ihre nächsten Ziele und wie werden unsere Sportlerinnen und Sportler bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Brasilien abschneiden?
Antwort:
Mein größtes mittelfristiges Ziel ist der Gewinn des Weltmeistertitels im Herren – Einzel. Seit mehr als 50 Jahren ist uns nicht gelungen, diesen Titel für Deutschland zu gewinnen. 2011 in Frankreich und 2015 werden wir alles daransetzen, um dieses Ziel zu realisieren.
Die bevorstehende U 18- und U 23 – WM im Juli 2010 in Ijui / Brasilien wird sicher eine Herausforderung. Die Trainer arbeiten mit Hockdruck an der Vorbereitung für diese Meisterschaft. Erstmals werden wir uns mit Material auseinandersetzten müssen, welches nicht dem europäischen Standart einspricht. Eine sehr spannende Angelegenheit, die eine Prognose relativ schwierig macht. Meine Zielsetzung ist dennoch daran ausgerichtet, unsere Sportlerinnen und Sportler unter den TOP 4 der einzelnen Disziplinen zu platzieren. Ob es zu den Titeln reicht, kann bei der Konkurrenz aus Brasilien noch nicht gesagt werden.
Frage:
Wie oft stehen Ihnen die Sportlerinnen und Sportler (aller Altersklassen) zur Verfügung um sie für bevorstehende Wettkämpfe ausreichend vorzubereiten und zu motivieren?
Antwort:
Im U 18 und U 23 – Bereich ist seit Jahren ein klassisches Fördersystem installiert. Alle 3 Monate finden für beide Bereiche regelmäßig Kaderlehrgänge statt. Die zuständigen Trainer H.J. Heinrichs und Christian Schumann im U 18 – Bereich und Michael Hänsel im U 23- Bereich leisten dort tolle Arbeit. Im Damen- und Herren- Bereich ist es aufgrund der Terminsituation schwieriger. Neben den Terminen der Bundesligen, Landesinternen- und Deutschen Meisterschaft bleibt nicht viel Zeit für zusätzliche Lehrgänge. Die entsprechenden Sportlerinnen und Sportler werden zur Vorbereitung auf die Meisterschaften zusammengezogen und durchlaufen in der Regel zwei Vorbereitungslehrgänge. Einer zusätzlichen Motivation bedarf es meiner Meinung nach nicht. Jede Sportlerin und jeder Sportler, der für Deutschland an den Start geht, ist sich seiner Verantwortung bewusst und gibt 100%.
Frage:
Die Sorge der Kegelvereine ist, dass es sehr schwer ist neue Mitglieder zu bekommen. Der Mitgliederschwund ist leider höher als die Beitritte. Schlägt diese unerfreuliche Entwicklung bis zu Ihnen durch, oder ist auf Ihrer Ebene noch alles in bester Ordnung?
Antwort:
Auf meiner Ebene ist noch alles in Ordnung. Noch kann ich aus einer großen Anzahl von Leistungsträgern für die einzelnen Meisterschaften nominieren. Durch die qualifizierte Arbeit der Nachwuchstrainer kommen auch regelmäßig Talente nach. Dennoch sollte man hier nicht die rosarote Brille aufsetzen. Dass dieses nicht unbegrenzt so weiter geht, zeigen die Mitgliederzahlen in den entsprechenden Altersklassen eindeutig.
Frage:
Was müsste nach Ihrer Ansicht geschehen um der negativen Entwicklung entgegenzuwirken, im Besonderen denke ich dabei an die Jugendlichen?
Antwort:
Für diese Frage bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Diese Frage muss an die Verantwortlichen der Landesverbände und ihrer Untergliederungen gestellt werden. Persönlich bin ich der Auffassung, dass es in vielen Vereinen an den entsprechenden Aktivitäten oder an einer Konzeptionslosigkeit liegt. In vielen Vereinen fehlen die entsprechenden Personen (Jugendwart, Trainer) oder einfach der Hinweis, „Wie“ muss ich was machen und letztlich vielleicht die Initiative überhaupt etwas zu tun. Erfolgreich zu sein, heißt „etwas“ zu tun. Nehmen wir beispielsweise die Aktion des DKB „Monat des Kegel- und Bowlingsports“. Ich habe nicht den Eindruck, dass viele Vereine diese erstklassige Möglichkeit nutzen um für unseren Kegelsport und für Mitglieder zu werben. Ein komplettes Handbuch mit allen nötigen Infos und Werbematerial stehen hierfür zur Verfügung. Die von Uwe Veltrup erarbeiteten Konzepte für alle Bereiche, vom Stadtteilturnier bis zum Schulsport, stehen ebenfalls zur Verfügung, müssen nur ausgedruckt und verwendet werden. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, es ist bereits da. Wir müssen es nur wieder drehen! Ich würde mir wünschen, dass auf den einzelnen Verbandstagungen dieses Thema einen höheren Stellenwert einnimmt und den Vereinen klare Konzepte zur Mitgliedergewinnung vorgelegt werden.
Frage:
Welche Tipps und Anregungen können Sie aus Ihrer Sicht den Vereinen geben um Jugendliche nicht nur zu werben, sondern diese auch für den Kegelsport langfristig zu begeistern?
Antwort:
Dieses mit wenigen Sätzen zu beantworten ist nicht einfach, ich will es dennoch versuchen. Kinder und Jugendliche möchten in der Gemeinschaft Spaß und Erfolg haben. Den Erfolg zu realisieren ist nicht ganz so einfach. In unserer Sportart ist dafür eine spezielle technische Grundausbildung auf der Kegelbahn erforderlich, die eine lange Zeit in Anspruch nimmt. Insofern sind die Verantwortlichen in den Vereinen gefordert, das „Erfolgserlebnis“ zwischenzeitlich in anderen Bereichen zu ermöglichen. Jugendarbeit muss über den Tellerrand des Kegelsports hinausgehen. Die allgemeine Jugendarbeit mit gemeinsamen Aktivitäten (andere Sportarten, Kletterwand, Wochenendfahrten…..) egal was, führt zu einem positiven Gemeinschaftsgefühl und die Vielfalt führt für jeden zu einem „Erfolgserlebnis“. Bei der großen Konkurrenz der Sportvereine überlebt nur der Sportverein mit den interessantesten Aktivitäten. Ich möchte damit sagen, dass der „vielfältige Verein“ im Vordergrund stehen muss und der „Kegelverein“ daraus erwächst.
Frage:
Welche Wünsche möchten Sie an die Vereine richten, um die Zusammenarbeit zu verbessern und dadurch noch erfolgreicher zu sein?
Antwort:
In meiner Tätigkeit habe ich kaum Berührungspunkte mit Vereinen. Ich würde mir aber wünschen, dass Vereine mit Jugendarbeit auch mal Bundesligaspiele und Meisterschaften in der Nähe besuchen um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, Leistungsträger kennen zu lernen und Vorbilder zu schaffen. Sprecht doch mal eine(n) Leistungsträger(in) an, ob er/sie euch nicht mal beim Jugendtraining besuchen will. Ein gemeinsames Training mit den Jugendlichen und die Informationen über den Werdegang aus erster Hand sind sicherlich interessant für die Jugend.
Frage:
Um von dem Cheftrainer des DSKB auch etwas persönliches zu erfahren, bitte ich Sie uns zu sagen wo Sie in Ihrer Arbeitsweise die besondere Stärke sehen und wo nach Ihrer Ansicht Ihre etwas schwächere Seite liegt?
Antwort:
Die Antwort auf diese Frage sollte eigentlich eine andere Person geben. Jeder hat so seine Ecken und Kanten. Ich zu meiner Person möchte sagen, dass ich meine Aufgaben zu 100% erledigen möchte. Diese Auffassung führt aber auch zu meiner „schwächeren“ Seite. Obwohl wir in unseren Bereichen „ehrenamtlich“ arbeiten erwarte ich von meinen Mitstreitern auch 100%.
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Michael, ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen für Ihre wichtige und verantwortungsvolle Arbeit viel Erfolg.
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